ſoviel verſtehe, als ich brauche, um eine Meſſe leſen zu können.
Er geht aus meinen Händen fröhlich und redlich, mildthätig und muthig, geſund und kräftig, ſtark und bärtig hervor, er ſieht eher aus, wie ein Pachter, denn wie ein Herr. Er ſpielt muthig funfzehn Monate den Chouan. — Wer, zum Teufel! (würde ich geſagt haben, als ich Soldat war) würde auf den Gedanken gefommen ſein, dieſer rauhe Sohn unſter Küſte würde zuletzt noch ein Träumer, ein Kopfhänger und ſo abergläubiſch werden, wie der dümmſte Bauer? Machen Sie keine ſolchen albernen Streiche mehr, lieber Ewen! Iſt der November ſchlim⸗ mer, als die andern Monate, weil er der ſchwarze Monat heißt? Beſuchen Sie heute Abend unſte guten Leute, Ihre Pächter; Sie werden dieſelben zufrieden und heiter in ihrem Stalle ver⸗ ſammelt finden, wo ſie Milinerez Pontaro (die Müllerin von Pontaro) oder Mellezouron arc' Hant (ie ſilbernen Spiegel) ſingen. Wenn der November ſchwarz für Jemanden ſein muß, iſt er es nicht für dieſe armen Leute, deren Heerd dunkel iſt, weil kein fröhliches Feuer auf ihm flackert? Sie begnügen ſich aber doch mit der milden Wärme des Stalles und wiſſen ſich den Abend angenehm zu vertreiben. Gehen Sie, Ewen! Sie beleidigen Gott und die wirklich Unglücklichen, wenn Sie ſich mit eingebildetem Kummer plagen. Wie dürfen Sie wagen, ſich zu beklagen, wenn ſo viele Unglückliche, die oft hungern und frieren, für ſich und ihre Kinder Gott jeden Abend danken, und mit fröhlichem Herzen erwachen, ſobald es ihren Armen nur nicht an Arbeit fehlt, wie ſchwer ſie auch ſein mag?“
Dieſe ungekünſtelte Sprache des guten Rectors verfehlte ihre Wirkung auf Ewen nicht; er reichte dem Abbé von Kerouel⸗ lan die Hand und ſagte zu ihm:
— „Verzeihen Sie mir, lieber Freund. Sie haben Recht; mein Kopf iſt ſchwach geworden; ich erkenne mich oft ſelbſt nicht wieder. Der Gedanke, ja der Gedanke bringt mich um.“
„Der Gedanke bringt Sie um, armer Freund? Ach, man muß immer zu der alten Bibel zurückkehren, um ſich das Herz und den Geiſt zu ſtärken an ihren weiſen Parabeln, wie man zu der reinen und geſunden Milch greift, um den verdorbenen Magen zu heilen. Der Gedanke bringt Sie un? Ach, mein Gott! das iſt ganz einfach, es iſt immer wieder die Geſchichte von dem Baume des Guten und Böſen; Sie haben nach ſeinen


