Teil eines Werkes 
1. Band, Therese Dunoyer : 1. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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„Ja; man muß wie ein vernünftiger Menſch darüber ſprechen, um ſolche Dinge in's Klare zu bringen. Geben Sie wohl Acht. Iſt es ein Grund, an Uebernatürliches zu glauben, wenn man zugiebt, daß man etwas für den Augenblick Uner⸗ klärliches vor ſich hat? Der Beweis, daß nichts einfacher iſt, liegt eben darin, daß es unerklärlich iſt! — geben Sie immer genau Acht! — was unerklärlich iſt, iſt unmöglich; etwas Un⸗ mögliches aber kann es nicht geben. Das beweiſet offenbar, daß — kurz — daß Alles vollkommen natürlich zugeht.“

Die Logik in dieſer Schlußfolge kam dem jungen Baron nicht eben überzeugend vor; er antwortete deshalb, indem er traurig den Kopf ſchüttelte:

— „Und dieſes für unſere Familie ſo verderbliche Datum? Dieſer ſchwarze Monat, der meinen Vater und meinen Groß⸗ vater ſterben ſah; der ſchwarze Monat, der da auf dem Portrait dieſes räthſelhaften Weibes ſteht, der unſrer Familie ſo verderb⸗ lich geweſen iſt, wie Sie ſagen?“

„Nun wieder von dem ſchwarzen Monate! Lucifer ſoll mich braten (würde ich geſagt haben, als ich Soldat war), wenn er nicht ſo dumm wird, wie Les⸗en⸗Goch! Was? der ſchwarze Monat? der ſchwarze Monat? Fallen nicht im No⸗ vember die Blätter ab, ſterben nicht die Pflanzen ab im Novem⸗ ber? Warum ſollten da nicht auch die Menſchen ſterben?“

— „Warum ſind aber zwei meiner Vorfahren in dieſem traurigen Monate geſtorben, Abbé?“

„Weiß ich es? Und glauben Sie denn, die Familie Ker⸗ Ellio habe das Privilegium, in dem Monat November zu ſter⸗ ben? Sie ſind ſo toll, daß man Sie binden ſollte. Und nach ſolchen Beiſpielen ſoll man ſich bemühen, Kinder vernünftig zu erziehen?“ rief der unglückliche Rector, indem er mit großen Schritten auf und ging. „Hätte ich ihm Albernheiten in den Kopf geſetzt, hätte ich ihn Romane und Gedichte leſen laſſen, ſo könnte ich begreifen, was geſchieht; aber nein, ich lehre ihn blos, was ich weiß, und das iſt nicht viel, leſen, ſchreiben, ſeine Mutterſprache ziemlich richtig reden, die vier Fpecies der Rechen⸗ kunſt, damit er ſeine Pachtrechnungen führen könne, und ſoviel von der Geſchichte und Geographie, daß er weiß, Ludwig KII. war der Sohn Ludwigs KlI. und Peking liegt in China. Ich

lehre ihn kein Wort lateiniſch, weil ich ſelbſt davon gerade nur