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Der Abbé von Kerouellan ſang mit mehr ſtarker, als wohl⸗
klingender Stimme das Kanouanen ar Belck forhannet (das
Lied von dem verbannten Prieſter), das mit den Worten anfängt:
„Hört auf einen Rector aus dem Bisthum Vannes, der um des Glaubens willen aus ſeinem Vaterlande verbannt wurde; ſein Leib iſt fern von Euch, aber ſeine Gedanken und ſein Herz verlaſſen Euch nimmer.“
Der Abbé, ein ehemaliger Soldat, hatte nie die ernſten und wichtigen Pflichten des geiſtlichen Standes vernachläſſigt; aber ſeine Sprache war rauh und hart. Wenn dem guten Rector einige Worte entſchlüpften, die zu ſeinem Gewande nicht eben paßten, ſo fügte er als Verbeſſerung gewöhnlich ſchnell hinzu: „Würde ich geſagt haben, als ich Soldat war.“ Uebrigens leitete der Abbé ſeine kleine Heerde mit eben ſo viel Feſtigkeit als Klugheit und ſeine Kirchkinder liebten ihn ſehr. Aus ſeinem männlichen offenen Geſichte ſprach wohlwollende Herzlichkeit. Wenn man ihn feſt und ſicher auf ſeinem Pferde ſitzen ſah, erkannte man wohl, daß er kein Neuling in der Reit⸗ kunſt ſei; das militäriſche Weſen, das ſich nie ganz abſtreifen läßt, verrieth ſich in allen ſeinen Bewegungen. Als er am äußern Thor von Treff⸗Hartlog ankam, zog er die große Glocke.
Alsbald erſchien Les⸗en⸗Goch, der den Pfarrer ehrerbietig begrüßte und den Zügel des Pferdes nahm, um daſſelbe in den Stall zu führen.
„Iſt Ewen zu Hauſe? fragte der Geiſtliche, der ſeinen ehemaligen Schüler noch immer ſo vertraulich benannte.
— „Ja, Herr Rector, der Pen⸗kan⸗ guer wird ſich freuen, Sie von Ihrer Reiſe zurückgekehrt zu ſehen.“
„Wie geht es ihm nach den drei Monaten, die ich ihn
nicht geſehen?“ fragte der Abbé, der, wie bereits erwähnt,
nach Paris abgereiſt war, als die Veiſtimmung Ewen's ſich
eben elte
Les⸗en⸗Goch ſchüttelte traurig ſein Haupt.
„Ich werde ihn alſo wiederfinden, wie ich ihn verlaſſen habe?“ fragte der Abbé weiter. 2
— „Weit ſchlimmer, Herr Rector.“
„Uud er hat Niemanden, keinen unt Nachbarn bei ſich geſehen?“ 82 — „Niemanden, Herr Rector. Geſtern waren wir, Ann⸗


