anfangs dumpfe, ferne Rollen des Meeres ſchien ſich zu nähern; man hörte die See donnern, wie ein Wetter am Himmel. Die Thüren und Fenſter des Hauſes zitterten.
„Jeſus Maria! Heilige Jungfrau von Falgoat!“ rief Ann⸗Jann mit gefalteten Händen. „Wenn nur unſer Ewen nicht an die Küſte gegangen iſt! Die See und die Flut müſſen entſetzlich ſein.“
— „Er iſt nicht an die Küſte gegangen“, antwortete ihr Mann phlegmatiſch.
„Weißt Du das gewiß, Les⸗en⸗Goch?“
Der Bretagner ſchlug die Beine auseinander, antwortete aber nicht, ſtand ſchnell auf und legte ſeine Pfeife weg.
Wagw, ſein großer Wolfshund, ſtand mit ihm auf.
„Willſt Du unſern Ewen aufſuchen?“ fragte die Frau.
Der Mann ließ, ohne zu antworten, das Haupt auf die Bruſt ſinken, ſchlug die Arme über einander und ging raſchen Schrittes in der Küche auf und ab.
Wagw folgte ihm Schritt für Schritt mit einer Art Angſt.
„Gott ſtehe uns bei!“ rief Ann⸗Jann mit Entſetzen, denn ſie kannte ſchon längſt die Bedeutung auch der geringſten Ge⸗ berde ihres Mannes. „Du legſt Deine Pfeife weg, Du gehſt unruhig umher, Les⸗en⸗Goch; mein Mab⸗mer⸗brin iſt in Ge⸗ fahr!“
— „Der Sturm iſt heftig und er iſt auf der See mit Mor⸗Nader!“ antwortete Les⸗en⸗Goch düſter vor ſich hin.
„Jeſus Maria, erbarme Dich deſſen, den ich genährt habe, wie mein Kind!“ rief Ann⸗Jann, indem ſie auf die Kniee niederſank.
Les⸗en⸗Goch nahm ſeinen Hut ab, ſchob ihn unter den Arm, knieete neben ſeiner Frau nieder, küßte inbrünſtig die Re⸗ liquien, die er am Hälſe trug, faltete die Hände und begann ſtill zu beten, denn ſeine Lippen bewegten ſich, als ſpräche er.
War es nicht ein rührendes, ein edles Schauſpiel, in unſrer Zeit, im Jahre 1838, zwei treue Diener ſo. fromm für ihren Herrn beten zu ſehen?
Les⸗en⸗Goch that der Jungfrau von Auray ein Gelübde, indem er ſie bat, Cwen von Ker⸗Ellio, den jungen Herrn von Treff⸗Hartlog, aus der Gefahr zu befteien. .
Thereſe Dunoyer I. .


