Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

142

Das Leben dieſes Kindes war das letzte Band, das Dich noch an Montal binden mußte. Als dieſes Band zer⸗ riſſen war

Konnteſt Du Dich einer freudigen Hoffnung nicht er⸗ wehren

SA

Das finde ich natürlich, Ewen. Der Tod der Frau von Montal würde mir Freude machen.

Und man verläßt ein ſolches Leben nicht mit Freu⸗ den! rief Ewen aus.Sich durch die Leidenſchaft zu den grauſamſten Wünſchen hingeriſſen zu ſehen, wenn man einer ſchlechten Handlung unfähig iſt; jeden Tag die unerbittliche Unmöglichkeit des Glückes zu erkennen, das wir ſuchen, ich in Deiner Liebe, Du in der Liebe eines Andern!

In dieſem Augenblicke verdoppelte ſich die Wuth des Win⸗ des; das Meer donnerte.

Welcher Sturm, Ewen! Als wenn er das Schloß um⸗ ſtürzen wollte!

Geſegnet ſei dieſe ſtürmiſche Nacht, Thereſe, ſie verſpricht einen noch ſtürmiſchern Tag. Morgen wird das Meer ſchön ſein zur Fahrt nach der Kergall⸗Spitze.

Thereſe drückte bewegt die Hand Ewens und ſagte:

Muth, mein Bruder! unſer Geſchick erfüllt ſich, Es wäre Thorheit gegen daſſelbe zu kämpfen.

Unſer Geſchick iſt ſeltſam. Welche ungew che, geheimnißvolle Umſtände von dieſem Portrait an!

Ach, dieſes Portrait! wiederholte Thereſe;welchen ſchrecklichen Eindruck hat es auf mich gemacht! Dieſe außer⸗ ordentliche Aehnlichkeit, die Frau, die Deinem Großvater ſo verderblich war! Alles ſagt mir, daß auch ich Dir verderb⸗ lich ſein werde. Und doch könnte ich einen Bruder nicht zärt⸗

licher lieben als ich Dich liebe.

Ich habe oft, Thereſe, wenn ich über die Hartnäckig⸗ keit meiner Liebe, über Deinen unwiderſtehlichen Einfluß auf mich nachdachte, Schwindel gefühlt gleich dem, welcher uns er⸗ greift, wenn wir in einen Abgrund hinunterblicken. Die Ge⸗ fahr iſt ungeheuer und man tritt ihr entgegen; trotz dem, daß man ſein Verderben kennt, fühlt man ſich durch einen ſchrecklichen Zauber hingezogen. Der Verſtand, der Inſtinkt ſträubt