Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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14⁰ Deinem Herzen zu verwiſchen, und doch würde ich Dich weniger geachtet haben, wenn Du jenen Mann leichtſinnig vergeſſen

hätteſt. Wie oft habe ich mir geſagt mit einer gewiſſen ver⸗ zweiflungsvollen Bewunderung:Ach, Thereſe wird mich nie lieben! Sie gehört zu jenen Frauen, die nur eine einzige Liebe kennen und an dieſer Liebe ſterben.

Hätte ich Dich vor Montal gekannt, ich würde Dich ohne Zweifel geliebt, innig geliebt haben. Welches Leben würden wir geführt haben, begeiſtert durch unſere Liebe und durch die Betrachtung dieſer ſchönen Einöden, nach denen immer mein Sinn ſtand!

Du würdeſt mich haben lieben können, Thereſe; ja, dieſer Gedanke hat mein Unglück unheilbar gemacht.

Warum bin ich jetzt nicht fähig, das Glück zu genießen, das Du mir geboten haſt, Ewen? Beſteht noch in dieſer Stunde der verfluchte Einfluß eines Mannes, der Kummer und Schande über mich gebracht hat? Wie konnte ich den bewun⸗ dernswerthen Beweiſen von Zärtlichkeit widerſtehen, die Du mir

jeden Tag gegeben haſt? Ich weiß es nicht und ſage wie Du: wie unergründlich iſt das Herz!

Weil Du mich nicht liebſt, wie einen Geliebten, The⸗ reſe; ſchreckliche Worte, unwiderruflich wie das Schickſal!

Ja, ich habe Dich nicht lieben können wie einen Gelieb⸗ ten, mein guter, mein edler Bruder!

Hat allein der Unterſchied zwiſchen einer n Freundſchaft und einem ſtärkern Gefühle unſer Unglück herbei⸗ geführt? Iſt es Schwäche? Iſt es Hoheit?

Es iſt Schwäche und Hoheit, Ewen. Wir ſind würdig und fähig, einander die größen Opfer zu bringen, an Seelen⸗ ſtärke und Edelmuth zu wetteifern. Unſere Verbindung iſt durch göttliche und menſchliche Geſetze geweiht; wir haben Beweiſe von ſeltenem Zartgefühle gegeben, unſere bitteren Geſtänd⸗ niſſe zeugen von der Stärke und Liebe, und weil uns die Liebe gebricht, iſt das Leben uns verhaßt, ſo verhaßt, daß wir ungeduldig darauf hoffen, davon befreit zu werden.

Noch einmal, Thereſe, iſt es Schwäche oder iſt es Hoheit, wegen ſo wenig zu verzweifeln?

Dieſes Wenig iſt nichts für gewöhnliche Gemüther, Alles aber für leidenſchaftliche Herzen. Warum gehören zwei