139 geſſen. Unſere Kräfte ſind zu Ende, der Kampf drückt uns nieder. — Wir müſſen ſcheiden.“
Nach einem kurzen Schweigen fiel Ewen ein:
— „Ich möchte wohl wiſſen, was Montal in dieſem Augenblicke thut und denkt, er, der zwei Geſchöpfe Gottes in den Abgrund geſtoßen hat. — Es iſt zehn Uhr, — er wird in der Oper oder auf einem Balle ſein mit dem verächtlichen und verachteten Weibe, die er zu ſeiner Frau genommen hat, weil ſie reich iſt.“ Dann ſtand Ewen auf und ſetzte in bitterer Jronie hinzu: „Wahrhaftig, Perſe wir verdienen unſer Schickſal. — Du biſt jung und ſchön, ich bin jung und zuch — Unſere Herzen ſind geſtorben, das inenſchliche Geſchlecht iſt uns ſo ver⸗ haßt, daß wir auf ewig die Augen ſchließen wollen, um es nie mehr zu ſehen; ſtatt eines Todes zu ſterben, wollen wir doch unſere Jugend, unſer Geld, unſere Verachtung benutzen, Böſes mit Böſem vergelten; das hilft uns vielleicht das Leben ertragen.“
„Armer Ewen““, ſagte Thereſe ſanft lächelnd, „das iſt unſere Aufgabe hienieden nicht; wir würden uns bei dieſer Rache linkiſch genug benehmen.“
— „Allerdings“, antwortete Ewen ctunfals lächelnd, „ich würde die Kraft nicht haben, ſchlecht zu ſein. Die Spring⸗ federn meiner Seele ſind brocheit ich habe alle Hoffnung ver⸗ lore Warum ſoll ich D Dir 6 in dieſer Stunde verbergen? — Ich häbe gehofft — auf Dich, Thereſe.“
„Du mußeſt hffe aus Eitelkeit, ſondern weil Du Deinen Werth kannteſt. Leider war ich einer ſo edeln Liebe un⸗ würdig. Ich ſage wie Du: warum ſollte ich in dieſer Stunde lügen? — Ja, ghut Rückſicht auf das friedliche Leben in Reich⸗ thum und Ehre, das ich Deinem Edelmuthe verdankte, habe ich mich immer in der T Tiefe meines Herzens 2. jener Zeit, nach
jener ſchönen Zeit geſehnt, in der ich aus Liebe die Schande ver⸗
gaß und die Armuth hochſchätzte.“
— „Mit Recht. Deine Liebe zu jenem Manne verdient eben nur Theilnahme und Mitleiden, weil ſie unbezwingl 3 iſt, Thereſe. Ach ch, das menſchliche Heiz! fuhr Ewen nach en kurzen Pauſe fort, menſchliche Herz iſt ein unergründlicher Abgrund! Welche Contraſte! Mein heißeſter Wunſch war, Deine Liebe zu erlangen, die Erinnerung an Deinen Henker aus


