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einen langen Spaziergang an der Küſte gemacht und unſere Ge⸗ danken offen, vertraulich, vollſtändig ausgeſprochen.“
— „Ach, Unglücklicher, Sie ſehen ſich ſelbſt nicht, indem Sie ſo mit mir ſprechen. Ihre Worte ſind beruhigend und doch treten mir die Thränen in die Augen und das Herz bricht mir — Ich ahne ein ſchreckliches Unglück — Ewen, im Namen des Himmels, verbergen Sie mir nichts —“
„Ich habe nichts, Abbé, und verſtehe Sie nicht.“
— „Mein Inſtinkt ſagt mir, daß in Ihren ſcheinbar ſo ruhigen Worten Bitterkeit liegt; Ihr Lächeln verletzt, Ihre Ruhe erſchreckt mich. Ewen! Ewen! ich beſchwöre Dich, mein theurer Sohn, vertraue mir. Bis jetzt habe ich ſchweigend Deine Zurückhaltung geduldet, aber heute erſchreckſt Du mich und ich verlaſſe Dich nicht, bis Du mir geſagt haſt —“
„Was denn, mein guter alter Freund? Ich wiederhole
Ihnen, daß ich nichts habe, auch Thereſe nicht; ihr Gram ſcheint vielmehr abzunehmen. Sie liebt mich zärtlich; ich theile dieſe Liebe; der Verluſt ihres Kindes hat das Band, das uns vereinigt, noch feſter gezogen, indem er uns einen gemeinſamen Schmerz gab. Wir ſind traurig, weil es unſer Charakter iſt; ich bin niemals ſehr heiter geweſen. Sie wiſſen es. Die Ge⸗
ſundheit Thereſens iſt angegriffen, die meinige ebenfalls. Indeß wir ſind jung und werden die Melancholie, der wir uns, ich geſtehe es, vielleicht etwas zu ſehr überlaſſen, allmälig überwinden —
Glauben Sie mir, ich verberge Ihnen nichts; Sie ſind ja ein zweiter Vater für mich. Was den nachtheiligen Einfluß des ſchwarzen Monats betrifft,“ ſetzte Cwen hinzu, „„ſo iſt es nicht klug von Ihnen, als einem Freigeiſte, eine Furcht vor demſelben merken zu laſſen. Muß ich armer Abergläubiger Sie an Ihre ſonſtigen Worte erinnern: „Warum der November verderblicher ſein, als der Mai? Wachſen die Blätter im Frühlinge nicht wieder, wenn ſie auch im Herbſte abfallen?“ Beruhigen Sie
ſich alſo, mein guter Abbé; wir werden noch viele ſchwarze
Monate mit einander verleben, freilich werden Sie uns, mir
und meiner Frau, auch noch oft vorwerfen, wir wären Träumer.
Unſere beiderſeitige Vorliebe für die Einſamkeit war gerade eine
der Sympathien, die uns mit zuſammenführte.“
Der Abbé von Kerouellan ſah den Herrn von Ker⸗Ellio zweifelnd an und ſagte, indem er ſeine feuchten Augen abwiſchte:


