Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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125 ſteres, Verſtörtes; die Augenblicke ſeines Hellſehens und Wahn⸗ ſinns wurden immer häufiger.

Trotz dem Widerwillen, den er Les⸗en⸗Goch und der Ann⸗Jann einflößte, konnten ſie doch einer unwillkührlichen Ehrfurcht nicht widerſtehen, als der Lotſe eintrat.

Mor⸗Nader trat mit gemeſſenen, faſt feierlichen Schritten näher und richtete ſeine runden Augen mit den gelblichen Pupil⸗ len auf das Dienerpaar.

„Wo iſt der Pen⸗kan⸗guer?“ fragte er barſch.

Les⸗en⸗Goch und Ann⸗Jann ließen das Haupt ſinken und antworteten nicht.

Die Amme griff an das Kreuz, das ſie an ſich trug, gleich⸗ ſam um ſich vor böſer Zauberkunſt zu ſchützen.

„Wo iſt der Pen⸗kan⸗guer?“ fragte Mor⸗Nader lauter, in faſt Hrohendem Tone.

— „Du weißt alles, errathe es, antwortete Les⸗en⸗Goch.

„Wo iſt er?“ rief der Lotſe. „Der ſchwarze Monat wird ſeinen und der bleichen Frau Tod ſehen —“

— „Hörſt Du?“ ſagte Les⸗en⸗Goch leiſe zu der Amme, die ſich fromm bekreuzigte.

Der Lotſe ſtreckte den Arm nach dem Fenſter hin aus, das nach dem Meere ſah und ſtimmte eine Art improviſirtes Lied an, das dem Geſange der alten Barden glich und dem es nicht an einer rauhen wilden Poeſie fehlte:

„Der Nebel iſt dicht, das Meer ſchläft, der Wind ſchlummert, der alte Ocean iſt ſo ruhig wie ein See. Die Menſchen ſagen: laßt uns ruhig bleiben, laßt die Netze am Strande liegen.

„Aber der Seerabe, der ſich in die Höhe und immer höher ſchwingt, ſieht was die Menſchen nicht ſehen.

„Unter der luſtigen blauen Fluth, auf der die Sonne glänzt, ſieht er einen Leichnam mit grünen Augen.

„Unter der Meeresſtille ſieht er den Sturm.

„Er ſteigt höher und höher, der alte Seerabe: und er ſieht die ſchwarzen Steine überſtrömt und er ſieht, wie der Wirbel am Todtenfelſen ſich ſchneller und ſchneller dreht.

„Und er ſieht einen rothen Dunſt am Niedergange und er hört den Sturm, der herankommt, immer näher und den die Menſchen noch nicht hören — Er ſieht in der Ferne den weißen Schaum, den die Menſchen noch nicht ſehen, und da der alte Seerabe den Pen⸗kan⸗guer liebt —“ ſetzte der Lotſe mit wildem Gelächter hinzu, „ſo ſucht er ihn auf, um ihm Dinge zu ſagen, die nur er hören kann — Wo iſt er? Wo iſt er? Wo iſt er?“

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