Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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— „Wenn ich ihn auch ermordete, die Prophezeihung würde doch in Erfüllung gehen!“

„Ermorden? — ermorden? Wen? Les⸗en⸗Goch?“ rief die Amme entſetzt.

— „Den Mor⸗Nader.“

„Ihn ermorden! Und die Gerechtigkeit der Menſchen? Und die Gerechtigkeit Gottes?“

— „Als ich den Blauen erſchlug, der auf den Pen⸗kan⸗ guer anlegte, dachte ich weder an Gott, noch an die Men⸗ ſchen, noch an mich; ich dachte an den, welchen ich liebe wie mein Kind — Zwanzigmale habe ich ſeit zwei Jahren mein Gewehr genommen und mich in Hinterhalt gelegt am Strande, neben dem Rothen Mönche, jenem Felſen, wo an Sturmtagen Mor⸗Nader das Sterbelied für die Ertrinkenden ſingt, wenn er die Sonne in den Wolken untergehen ſicht.“ .

„Dahin gingſt Du, Les⸗en⸗Goch? Der Herr hat ſich Deiner erbarmt, daß —“

— „Vielleicht — Einmal zitterte mein Arm und mein Auge wurde trübe — Zwanzigmale habe ich den Lotſen vor dem Gewehre gehabt. — Gott wollte es nicht.“

„Nein, Gott wollte es nicht, daß Du ein Mörder würdeſt — Er behält ſich vor, Mor⸗Nader ſelbſt zu ſtrafen — Mich betrübt es nur, daß der Mab⸗mer⸗brin ſo oft mit dieſem Sün⸗ der ſpricht. Hat er ihn nicht im vorigen Monate auf das Meer begleitet? Hatte er vergeſſen, daß er vor zwei Jahren mit dem Lotſen im Sturme beinahe umkam?““

„Mor⸗Nader ſagt, er habe es in den Wolken geleſen, daß der Pen⸗kan⸗guer und die blaſſe Frau im Sturme im ſchwarzen Monate umkommen —,“ ſetzte Les⸗en⸗Goch faſt ſchaudernd hinzu.

In dieſem Augenblicke wurde die Thüre gesffnet.

Mor⸗Nader trat langſam in die Küche.

Wir haben bereits geſagt: dieſer Greis war hoch gewach⸗ ſen; ſein langes röthlich weißes Haar fiel auf die von der Sonne und dem Seewinde gebräunte Stirne er trug den dunkel⸗ farbigen Anzug der Fiſcher von Sein, einen ſchwarzen Kittel und weite weiße Hoſen; trotz der Novemberkälte war weder ſein Hals noch ſeine Bruſt bedeckt. Sein Geſicht hatte etwas Dü⸗