Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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123 ſtürmte gewaltig, der Mond trat bisweilen hinter den Wolken hervor, die am Himmel hinjagten; in ſeinem Lichte ſah ich ſie

— der Pen⸗kan⸗guer und die bleiche Frau ſtierten in den Ab⸗

grund hinunter und beugten ſich über denſelben, als wollten ſie ſich in das Meer hinunterſtürzen —“

„Wehe, wehe!“ rief die Amme, indem ſie die Hände über die Augen hielt.

— „Ja, wehe! Aber wehe auch dieſer Frau, wenn je⸗ mals —“

„Les⸗en⸗Goch, beruhige Dich. — Es geht hier etwas vor, das wir beide nicht begreifen können; — aber, was ſagteſt Du, als Du den Mab⸗mer⸗brin auf der Platte des Thurmes ſaheſt?“

— „Ich wagte es nicht, den Pen⸗kan⸗guer zu rufen, weil ich fürchtete, er möchte erſchrecken, ſtraucheln und hinunter⸗ ſtürzen. Ich wartete. Eine Möve flog mit krächzendem Ge⸗ ſchrei von den Trümmern auf. Die bleiche Frau und der Pen⸗ kan⸗guer zuckten zuſammen und dreheten ſich um; Beide weinten.“

„Ja, das iſt wahr, ſie weinen oft. Noch vorgeſtern —“

— „Haſt Du ſie geſehen? Und welche traurige Stille während des Abendeſſens! Wie traurig lächeln ſie einander

an! Ich ſage Dir, die bleiche Frau ſucht die Seele des Pen⸗

kan⸗guer. Auch der Rector iſt durch das Geſpenſt getäuſcht worden. — Einſache und gute Menſchen werden durch den Teufel am leichteſten betrogen — Ann⸗Jann! Ann-Jann! Die blaſſe Frau wird dem Hauſe verderblich ſein; ihr Bild begann das Unglück unſeres Herrn, ſie ſelbſt wird es vollenden; ich ſage Dir, ſie ſucht die Seele Ewens; — eines Tages wird ſie damit verſchwinden; Mor⸗Nader hat es geſagt.“

„Mor⸗Nader iſt wahnſinnig.“

— „Er weiß, was die Menſchen nicht wiſſen; er kann nicht ſein wie die andern Menſchen; was er ſagt, geſchieht.“

„Dann wehe, wehe dieſem Hauſe. Warum ſagt Mor⸗ Nader nicht vorher, daß unſer Schickſal das des Mab⸗mel⸗brin ſein wird?“ Der alte Bretagner dachte lange nach; dann ſagte er plötz⸗ lich mit leiſer Stimme und zu ſich ſelbſt: