Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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Thereſe ihrerſeits war vollkommen aufrichtig; ſie ſprach die Wahrheit als ſie Ewen erklärte, daß ihr Herz für immer und für Alles außer der Mutterliebe abgeſtorben ſei, und daß ſie für ihn, den ſo edelſinnigen Mann, nur eine aufrichtige Freundſchaft würde fühlen können.

Die vollkommene Ueberzeugung von ihrer Unfähigkeit, von neuem zu lieben, wurde ihr durch eine Art Hellſehen des Her⸗ zens gegeben, das nur die Frauen beſitzen, denn nur ſie allein vielleicht können nur einmal lieben und ewig trauern.

Nach großem Kummer weicht die Hoffnung auf immer aus manchen Herzen, die gewiß wiſſen, daß ihnen kein Glück wieder blüht.

Nicht der Wille, ſondern die Kraft zu lieben fehlt ihnen.

Sie haben es gefühlt, man könnte faſt ſagen, ſie haben geſehen, daß ihnen die empfindlichſte Saite aus ihrem Herzen herausgeriſſen wurde.

Wie der Verſtümmelte aber bisweilen durch eine ſeltſame Sinnestäuſchung den Arm zu fühlen glaubt, den er verloren hat, ſo fühlen auch dieſe verſtümmelten Herzen bisweilen das Verlangen, die Sehnſucht nach Liebe, — ein Trugbild, das verſchwindet, ſobald der Verſtand wieder erwacht.

Thereſe war alſo wirklich verzweifelt, während Ewen noch immer die ſüßeſten Hoffnungen hegte und mit der Faſſung einer edeln Seele ſagte:

„Im ſchlimmſten Falle habe ich Thereſen und ihrem Kinde doch meinen Namen und eine Zukunft gegeben.“ GFwen beſaß jede edle Liſt der Hochherzigkeit. Er wußte wohl, was die Worte bedeuteten, die er Thexeſen immer wieder⸗ holte:

„Und Ihre Tochter? Was wird aus ihr, wenn Sie ihr entriſſen werden! Bedenken Sie, was Sie ſelbſt gelitten haben. Wollen Sie Ihre Tochter denſelben Schmerzen ausſetzen? Haben Sie das Recht, das Vermögen zurückzuweiſen, das ſich ihr darbietet? Und ein Mädchen! ein Mädchen! ein ſchwaches, ie Gefahren ausgeſetztes Weſen, das Schande und

twürdigung zu fürchten hat, das gleich Ihnen ſein Verderben