55 „Du biſt heirathsfähig und wir haben zufällig eine Partie *
für Dich gefunden, — eine unverhoffte Partie.“
— „Ja wohl eine unverhoffte“, bemerkte Madame Heloiſe, die ihre Eiferſucht nicht bergen konnte.
„Du wirſt aufgeboten und dann ſogleich getraut werden“, ſprach Dunoyer weiter. „Ich hoffe, daß Du damit zufrie⸗ den biſt.“
Herr und Madame Dunoyer erwarteten einen Ausbruch der Dankbarkeit von Seiten Thereſens, ſie wunderten ſich deshalb anfänglich über das Schweigen derſelben und wurden unwillig darüber.
„Da ſiehſt Du die Dankbarkeit des Mädchens, Achille! Kein Wort, keine Geberde! — Wie ich Dir ſagte, Achille, ſie verdient ein ſolches Glück nicht. — Aber ſie ſtellt ſich nur 105 ſie brennt vor Sehnſucht nach einem Manne, glaubt aber ohne Zweifel, wie eine Herzogin, es zieme ſich nicht, die Freude, einen Mann gefunden zu haben, merken zu laſſen.“
— „Ehe ich mich glücklich ſchätzen kann, liebe Mutter, muß ich doch wenigſtens wiſſen, mit wem Sie mich zu ver⸗ heirathen verſuchen“, entgegnete Thereſe, indem ſie Helviſe ſtarr anblickte.
„Ich verſuche!“ rief Heloiſe ergrimmt; „ich verſuche! Hörſt Du, Achille, ich verſuche?“
— „Es kommt mir allerdings vor, Thereſe“, ſagte der Banquier, der ſich ſtellte, als bliebe er ungemein ruhig, „daß Du Dich ſehr ungebührlicher Ausdrücke bedienſt. Wir ver⸗ ſuchen nicht, Dich zu verheirathen, wir gedenken, wir wollen Dich verheirathen, weil dieſe Heirath uns angenehm iſt, und weil ſich kein Einwurf dagegen machen läßt.“
— „Ich muß aber doch den Mann kennen, um den es ſich handelt, und er muß mir gefallen“, ſagte Thereſe mit feſter Stimme.
Herr und Madame Dunoyer ſahen einander achſel⸗ zuckend an.
„Es iſt zum Erbarmen!“ rief Heloiſe lachend aus; „Mademviſelle will wohl eine Heirath aus Neigung ein⸗ gehen?“ 3


