Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

41

Dieſe Männer, abwechſelnd verworfene Sclaven oder un⸗ barmherzige Tyrannen ſolcher Geſchöpfe, ſchmeicheln denſelben

und beſtehlen ſie, dienen ihnen und ſchlagen ſie, fürchten und beherrſchen ſie, tröſten ſie beſonders über ihre Erniedrigung, indem ſie ihnen beweiſen, daß es noch tiefer geſunkene Geſchöpfe giebt, als ſie, weil ſie ihre ſchreckliche Liebe aufſuchen und dieſen Unglücklichen Gelegenheit geben, Milde zu üben, jene Milde und chriſtliche Liebe, die man immer, wenigſtens als Inſtinct, in dem Herzen auch der am tiefſten geſunkenen Frauen findet.

Der Herr von Montal war nichts, als einer dieſer wider⸗ lichen Menſchen, aber abgeſchliffen durch den Umgang mit guter Geſellſchaft; er beſaß dieſelbe Servilität, denſelben Egoismus, dieſelbe eigennützige und niedrige Schmeichelei, wenn er ſeine Habſucht zu befriedigen hoffen konnte; dieſelbe brutale Inſolenz, wenn er ſich täuſchte, oder auf eine Weigerung ſtieß, kurz die⸗ ſelbe Gewohnheit, den guten Armen zu ſpielen, indem er ſich an die chriſtliche Liebe, an das Mitleiden der Frauen wendete und geſchickt ſein Unglück ausbeutete, ein Unglück ohne Adel und Würde, das durch die ſelbſtſüchtigſte Liederlichkeit verdient war. Es fand ſich bei ihm, wie bei den Männern, von denen wir ſprachen, dieſelbe Entweihung der heiligſten Gefühle und der heiligſten Worte, die ſie in ihrer habſüchtigen und unreinen Liebe parodiren.

So verächtlich dieſe Männer ſind, welcher Claſſe ſie auch angehören, es ergiebt ſich aus ihren abſcheulichen Sitten eine gefährliche Gewohnheit der Heuchelei, etwas Demüthiges, Klägliches, Süßliches, Einſchmeichelndes, das den Frauen⸗ zimmern wie Julien gefällt, weil ſie Menſchen wie Montal be⸗ nutzen, oder Unerfaßrene täuſcht, wie Thereſen, weil die gut⸗ müthigen Herzen immer an den Leidenden Antheil nehmen.

Man wird ſogleich ſehen, daß Montal die entſcheidendſten Fortſchritte in dem Herzen Thereſens gemacht hatte, indem er ſich an ihr Mitleiden, an ihre Menſchenliebe wendete.

Der Marquis von Beauregard hatte dem Grafen den Ausgang ſeiner Verhältniſſe mit dem Banquier richtig voraus⸗ geſagt. Herr Achille und Madame Heloiſe Dunoyer brüſteten

ſich eine Zeit lang mit der Freundſchaft des Grafen, Dunoyer

lich ihm etwa zweihundert Lvuisd'or und Montal beſtritt davon zum Theil die Koſten, die er ſich gemacht hatte, um ſeinen