Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nicht ſehen, bevor er ſich über mein Schickſal ausgeſprochen hat; weigert er ſich, ſo reiſe ich ab, ohne Abſchied von ihm zu nehmen.“

„Vielleicht hätten Sie Recht“, ſagte Montal; „es wird Zeit ſein, im letzten Augenblicke daran zu denken; aber auf ſo weit hinaus darf man auf Unglück nicht rechnen. Sobald ich mit Herrn Dunoyer geſprochen habe, werde ich Ihnen mit⸗ theilen, wie er Ihren Antrag aufgenommen hat, und ich hoffe Ihnen einen günſtigen Beſcheid zu bringen.“

„Lieber Vetter“, ſagte Ewen in gerührtem Tone, indem er die Hand Montal's drückte, „von dieſem Augenblicke an rech⸗ nen Sie in allen Stücken unbedingt auf mich.“

„Gewinne ich nicht bei der Sache“, fiel Montal ein, „da ich mir durch ſo wenig einen Freund erwerbe?“

„Ich weiß, welchen Dank ich Ihnen ſchuldig bin. Auf baldiges Wiederſehen alſo, Vetter.“

— „Bald! Muth und Hoffnung!“ ſprach Montal.

Ewen ſchüttelte traurig den Kopf und bemühte ſich nicht, die Thräne zu verbergen, die in ſeinen Augen glänzte; dann ku er die Hand des Grafen nochmals und entfernte ſich raſch.

Montal ſah ihm nach, zuckte die Achſeln und ſagte:

„Ah, der thörichte Menſch! — mir, mir vertraut er ſeine theuerſten Intereſſen an. — Mein Stern erglänzt wieder mehr und mehr. Wenn ich mich nicht irre, wird mir dieſer Zwiſchen⸗ fall, klug benutzt, viel nützen. Der Bretagner wird, ſeinem Verſprechen treu, nicht wieder zu Dunoyer gehen und meine Antwort abwarten; ich halte ihn acht bis zehn Tage hin, und mehr braucht es nicht, wie die Sachen jetzt mit Thereſen ſtehen, um alle Beſorgniß wegen eines Vendéers zu verlieren, deſſen Heirathsantrag mich bei der Ausführung eines Meiſterſtreiches unterſtützen wird. Jetzt ein Wort an Thereſen. Ich muß ſie durchaus morgen ſehen, und ſie wird kommen; ich werde ihr einige ſchreckliche Worte ſchreiben.

„Ja“, fügte von Montal hinzu, indem er ſich an den Tiſch ſetzte, „jetzt wollen wir Thereſen antworten. Sie fühlt Reue, ſie bittet mich um Verzeihung; ſie ſcheint nicht mehr ge⸗ neigt zu ſein, mir die Ehre zu erzeigen und mir ihre Hand zu reichen!“ ſetzte er mit Ironie hinzu —, „was mich jezt wirklich 3