Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

Gewiß würde es anders ſein, wenn ſolche Titel an reich gewordene Bürger verkauft werden könnten, mein lieber Herr Dunoyer, antwortete der Graf lachend.

Wir wollen dem Geſpräche nicht weiter folgen, von dem wir dieſes Pröbchen mitgetheilt haben und bei welchem Montal eine ziemlich geiſtreiche Grobheit entwickelte.

Man ſtand auf.

Einer der Gäſte glaubte ſich der Madame Helviſe Dunoyer angenehm zu machen, wenn er Thereſe bitte, etwas zu ſingen. Die dicke Frau erröthete verlegen, mußte aber doch ihre Tochter auffordern, ſich an das Piano zu ſetzen. Thereſe weigerte ſich anfangs; Herr von Montal drang aber in ſie, und mit einem verſtohlenen Blicke deutete ſie ihm endlich an, daß ſie ſich nur ſeinem Wunſche füge.

Thereſe ſang mit ſo viel Gefühl, ſo kunſtfertig, ſo ge⸗ ſchmackvoll, ſie übertxaf ſich ſelbſt dermaßen, daß ihre Mutter aus Eiferſucht ſie nach einer Viertelſtunde unterbrach und ſagte:

Thereſe, es greift Deine Bruſt an. Es iſt genug, mein Kind.

Cwen war entzückt, wenn auch weniger das wirkliche Ta⸗ lent Thereſens, als das Gefühl, das ſich in ihrer melodiſchen Stimme ausſprach, einen ſo tiefen Eindruck auf ihn gemacht

atte.

Zweimal traten ihm Thränen in die Augen. Zum Glück bemerkte Niemand dieſe lächerliche Rührung. Man brachte einige Whiſtpartien zuſammen. Cwen benutzte einen Augen⸗ blick, in weichem Niemand auf ihn achtete, um ſich zu entfer⸗ nen. Er kam in einem an Wahnſinn grenzenden Zuſtande nach Hauſe.

Bald überließ er ſich einer unſinnigen Freude bei dem Ge⸗ danken, daß ſeine Träume und ſeine ideale Liebe nur eine Ah⸗ nung geweſen, und daß das Weib, welches das Glück ſeines Lebens gründen könne, ſo eriſtire, wie er ſich daſſelbe gedacht. Bald verſank er wieder in tiefe Trauer und Verzweiflung. Viel⸗ leicht, dachte er, gelinge es ihm nie, die Liebe Thereſens zu er⸗ werben, denn ſein erſtes Erſcheinen mußte einen ungünſtigen Eindruck auf ſie gemacht haben. Wir wiederholen es, Ewen war ſchon durch den Anblick Thereſens überzeugt worden, daß ſie alle die Eigenſchaften beſitze, welche er ihr zuſchrieb. Er