12
Der Marquis erwartete in ängſtlicher Spannung die Ant⸗ wort ſeiner Frau.
— „Ich wünſche dieſen Winter in Paris zu bleiben.“ „Ich will es nicht; Sie werden mich in die Dauphiné begleiten.“
— „Wenn ich dazu genöthigt werde, muß ich gehorchen.“
„Ohne Zweifel werden Sie dort ſo liebenswürdig ſein, wie Sie es in dieſem Augenblicke ſind?“
.
„Sie hoffen, mich auf dieſe Weiſe zu ermüden und mich zur Rückkehr nach Paris zu zwingen?“
— „Ich hoffe es.“
„Und wenn ich nicht ermüde, Madame?“
— „Sie werden ermüden.“
Dieſe letzten Worte wurden in ſo feſtem, hartem Tone ge⸗ ſprochen, daß der Marquis erbebte. Das kühne Phlegma die⸗ ſer Frau brachte ihn wirklich in Verlegenheit. Bis dahin hatte er ſie unterwürfig, kalt, zurückhaltend, ſchweigſam gefunden, aber nie hatte er ſie dieſes Entſchluſſes fähig gehalten. Sein Zorn, den er ſo lange gezügelt, ließ ſich nicht länger zurück⸗ halten; er ſtand auf und ſagte:
„Ich bin doch wahrhaftig ein rechter Thor, daß ich mich mit dem beſchäftige, was Ihnen zuſagt oder nicht, und daß ich Sie nach der Art, wie ich Sie dieſen Abend behandelt habe, noch als meine Frau anerkenne. Ja, Madame, heute Abend im „Rocher de Cancale“ bei einem Junggeſellendiner habe ich Ihre beiden Liebhaber einander gegenübergeſtellt, habe Des Roches Ihr letztes Billet an Herrn Labirinte leſen laſſen, habe ſie verhöhnt, ſie an einander gehetzt und endlich meinen Freun⸗ den geſagt, was ſie morgen in ganz Paris weiter erzählen wer⸗ den, daß die verächtliche Heldin dieſes Abenteuers meine Frau ſei. So räche ich mich und ſo behandeln Leute meiner Art die ungetreuen Frauen.“
— „Sie haben dies gethan?“ fragte die Marquiſe, ohne die Augen aufzuſchlagen.
„Ja, Madame. Oh, ich gehöre nicht zu den albernen Ehemännern, die Thränen vergießen und ſolche Zufälle tragiſch nehmen. Sie ſähen mich wohl gern traurig und niederge⸗ ſchlagen?“
„


