Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

plötzlich durch ihren Mann geweckt würden, dürfte es ſchwerlich eine einzige geben, die nicht wenigſtens Unruhe zeigte. Du biſt unbewegt und unerſchüttert geblieben. Du zählſt kaum acht⸗ zehn Jahre und giebſt alſo die ſchönſten Hoffnungen. Aber es handelt ſich nicht um Vorwürfe. Darf ich, ohne unbeſcheiden zu ſein, nach Deinen Abſichten für die Zukunft fragen?

Ich verſtehe Dich nicht.

Ich frage, ob Du glaubſt, daß wir in Zukunft in den⸗ ſelben Verhältniſſen wie bisher mit einander leben können?

Das überlaſſe ich Dir.

Du würdeſt alſo, fuhr der Marquis mit einem bittern Lächeln fort,mir die Gnade erzeigen und in gutem Vernehmen mit mir bleiben?

Wenn Du es wünſcheſt.

Und wenn ich es nicht wünſchte, Madame? fragte der Marquis mit wachſendem Unwillen,wenn ich eine ver⸗ brecheriſche Frau aus dem Hauſe jage?

So werde ich gehen, antwortete Dolores, indem ſie ruhig die Manſchette an dem einen Aermel ihres Hauskleides zuknöpfte.

Der Herr von Beauregard ſprang auf; er war außer ſich. Nachdem er einige Male auf- und abgegangen war, ſetzte er ſich wieder nieder..

Und wenn ich den ECdelmuth bis zur Schwäche triebe, wenn ich feig genug wäre, Ihnen zu verzeihen, Madame, könnte ich darauf rechnen, daß in Zukunft Ihr Benehmen meiner Nach⸗ ſicht würdig ſein würde?

Das weiß ich nicht.

Wie, Madame, Sie bürgen mir nicht für die Zukunft,

auch wenn ich das Geſchehene vergeſſe?

Ich kann die Ereigniſſe nicht vorausſehen. Das iſt wenigſtens offen und ich danke Ihnen dafür, Madame. Ich ſchätze mich glücklich, daß Sie wenigſtens die Gewogenheit haben, mich in Ungewißheit zu laſſen. Und Sie glauben, daß ich mich damit begnügen werde?

Das wiſſen Sie allein.

Madame, das ſind wirklich himmliſch aufrichtige Ant⸗ worten; nur wundert es mich, daß Sie mich nicht an meine ärgerlichen Liebſchaften erinnern, an den Cynismus/ in dem ich