„Welche Zeit iſt es? Was wünſcheſt Du, lieber Mann?“ fragte die Marquiſe, indem ſie ſich aufſetzte.
Der Herr von Beauregard ſetzte ſein Licht auf ein Tiſchchen, übergab ſeiner Frau die Briefe, die er mitgebracht hatte, und wartete ſodann auf das erſte Wort, die erſte Geberde, den erſten Schrei von Dolores.
Die Marquiſe nahm, anfangs überraſcht, die Briefe, er⸗ kannte ſie und ſchien ſie in ihren unter der Bettdecke verborgenen Händen zuſammenzudrücken.
Sie erbleichte nicht; ihre Züge blieben unverändert.
Beauregard ſprach endlich mit tiefbewegter Stimme:
„Nun, Dolores?“
Die Marquiſe blieb ſtumm und ſaß da mit geſenktem Haupte und verſteckten Händen.
Beauregard, der dieſes Schweigen ſeiner Frau der Ver⸗ wirrung zuſchrieb, trat zu ihr und begann von Neuem, mit mehr Bitterkeit und Aerger als Zorn:
„Du hintergingſt mich, Dolores. Das war ſchlecht.“
Dolores antwortete nicht.
Das hartnäckige Schweigen reizte die Ungeduld des Mar⸗ quis; er ergriff ihre Hand mit den Worten:
„So ſprich doch wenigſtens!“
Als Beauregard die Hände ſeiner Frau an ſich zog, fiel eine Menge kleiner Papierſtückchen auf den Teppich.
Die Marquiſe war vor Allem bedacht geweſen, unbemerkt die ſie anklagenden Briefe zu zerreißen.
Beauregard ſtand verlegen da über dieſe kaltblütige Keck⸗ heit; er erwartete Thränen, Aeußerungen des Bedauerns, Be⸗ theurungen der Reue und fand eine unerſchütterliche Frau, die nur daran dachte, die Beweiſe ihrer Schuld zu entfernen. Dieſe von dem, was er erwartet hatte, ſo ganz verſchiedene Aufnahme — verwirrte ſeine Gedanken und im größten Unwillen ſprach er:
„Das iſt niederträchtig! Sollteſt Du dieſe jetzt zerriſſenen Briefe abzuleugnen wagen? Meinſt Du, ich hätte keine andern Beweiſe Deines Verrathes?“ 8
Dolores antwortete nicht.
„Aber,“ fuhr der Marquis fort und ſtampfte zornig mit dem Fuße, „— ſoll ich außer mir gerathen? Wie! Auch nicht ein Wort?“
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