Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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erſten Schlummer lag, ihn nicht hörte. Einen Augenblick be⸗ trachtete er ſie ſchweigend in dem bleichen Lichte einer an der Decke hängenden Alabaſter-Lampe.

Die Bettvorhänge und der Beſchlag dieſes Schlafzimmers waren von weißem Mouſſelin mit untergelegter kirſchrother Seide. Die Meubles von Citronenholz waren mit weißem Atlas mit Roſenbouquets beſchlagen und nett mit trefflich ge⸗ ſchnitztem Elfenbein verziert, ſo daß ſie zu jener durchſcheinenden Draperie von roſenfarbigem Anfluge vollkommen paßten.

Die Marquiſe war nur halb ſichtbar in der Menge von Batiſt und Spitzen, die ſich um ihre Kiſſen bauſchten; unter einer mit Eiderdunen gefüllten und mit den ſchönſten engliſchen Spitzen garnirten ſeidenen Decke erkannte man unbeſtimmt die graziöſe und ungezwungene Lage der jungen Frau; ein halb zurückgeſchobener Aermel ließ einen runden feſten weißen Arm ſchen, auf welchem ihr ſchöner jugendlicher Kopf ruhete; ihre ſchwarzen Haarſtreifen ſahen durch die Valencienner Spitzen ihres niedlichen Häubchens hindurch; über ihre rothen halb⸗ geöffneten Lippen ging ein leichter friſcher Hauch und die milde Wärme des Schlafes färbte Grübchenwangen mit lebhafter Röthe.

Nie hat die Phantaſie Greuzes feinere und reizendere Züge, nie ein koketter naives Geſicht geſchaffen; nie verſchmolzen ſich das Elfenbeinweiß, der Carmin und das Ultramarin ſeiner gött⸗ lichen Palette zu einem durchſichtigeren, reineren und zarter mit bläulichen Halbtinten nüancirten Teint.

Der Marquis trat langſamen Schrittes und mit geſenktem Haupte an das Bett; lange betrachtete er ſeine Frau mit einem Ausdrucke des Schmerzes, des Unwillens und der Liebe; ein bitteres Lächeln umzog ſeine Lippen und er ſprach murmelnd vor ſich hin:

Wer ſollte glauben, daß ſie bei einem ſo ehrlichen Ge⸗ ſichte

Dolores machte eine leichte Bewegung, ſtreckte den Arm aus, auf welchem ihr Kopf ruhete und ſtieß einen leichten Laut der Ueberraſchung aus bei dem Anblicke ihres Gemahls.

Marquis heftete einen feſten, faſt drohenden Blick auf ſie.