Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 1.-4. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
Einzelbild herunterladen

254

gegeben. Wenn Du aber wüßteſt, was es für mich war, zu ſehen, wie mich mein Vater und meine Mutter bald ſchmerzlich betrübt im Namen meines Glückes und des ihrigen anflehten, ich möge eine gute Heirath nicht ausſchlagen, bald gegen mich in Zorn geriethen und mir meinen Mangel an Gemüth, meine Albern⸗ heit, meinen Undank, meinen ſchlimmen Kopf vorwar⸗ fen, wie ich vom Morgen bis zum Abend gequält, be⸗ lagert wurde, und mich dabei, ich muß es leider ge⸗ ſtehen, unfähig fühlte, auf folgende ohne Unterlaß wie⸗ derholte Fragen zu antworten:

Aber was haſt Du denn gegen Herrn Fernand einzuwenden? Gib uns eine Beſchwerde, irgend einen Grund an, und wir werden die Erſten ſein, welche die⸗ ſes Heirathsproject abbrechen.

Da mußte ich wohl anerkennen, daß Herr Fernand in ſich alle wünſchenswerthe Bedingungen vereinige, um das zu ſein, was man einen guten und red⸗ lichen Ehemann nennt, daß er jung, reich, ange⸗ nehm, voll Vernunft und Sanftmuth; ich hatte nichts gegen ihn, als den Zwang, den er mir einflößte, die Furcht vor einer eiſigen Langweile und meine geringe Luſt, ihn zu umarmen.

Dieſe drei Gründe meiner Mutter angeben hieß machen, daß ich in ihren Augen für eine Wahnſfinnige galt, und als ich nun fortwährend wiederholen hörte, wenn ich dieſe Heirath von mir weiſe, begehe ich einen großen Fehler, eine unverzeihliche Dummheit, glaubte ich es am Ende, ſchämte mich beinahe meiner, und gab mei⸗ nem Vater und meiner Mutter mein Wort, mit der feſten Abſicht, mein Verſprechen zu halten. Seitdem fühle ich mich nicht heiterer, nicht glück⸗ licher, aber vollkommen ruhig; dieſe Entſcheidung er⸗ ſpart mir wenigſtens die Beſtürmung, das Gezerre und meine Bangigkeiten in den letzten Tagen.

Alles iſt geſchloſſen; ich weiß nun, woran ich mich zu halten habe.