253
um nach meinem Belieben weinen und Dir Alles, was vorgefallen iſt, ſchreiben zu können.
Meine Mutter behandelt mich als wahnſtnnig; Du wirſt es vielleicht machen wie meine Mutter, beſonders nachdem Du geleſen, was mir Herr Fernand geſagt hat, deſſen Rede ich Dir beinahe Wort für Wort mit⸗ getheilt habe. t
Du wirſt mir ohne Zweifel erwiedern, man könne un⸗ möglich mit mehr Vernunft ſprechen und ſich als ein redlicherer Mann zeigen, als er es gethan habe. Das mag ſein, das iſt wahr, wenn Du willſt, und dennoch hat, wie ich es meiner Mutter geſagt, ſeine Sprache mein Blut in meinen Adern geſtehen gemacht; die Per⸗ ſpective einer Kloſterzelle auf Lebenszeit hätte mir nicht düſterer und trauriger geſchienen.
Und ich betrachtete die Ehe als das Feſt meiner Jugend!
Nein, ich wiederhole, man wird mich eher tödten, als mich zwingen, Herrn Fernand zu heirathen.
Ich weiß nicht, wann ich Dir dieſen Brief kann zukommen laſſen.
Deine bis auf den Tod verzweifelnde Freundin
A. C.
Dieſer Brief war ſeit zwei Tagen geſchrieben, liebe Hermance; ich öffne ihn wieder, um Dir mitzutheilen, daß man mich nicht tödten wird, und daß ich Herrn Fer⸗ nand heirathe; mein Aufgebot iſt verkündigt, unſer Vertrag iſt geſtern unterzeichnet worden.
Du wirſt vor Mitleid die Achſeln zucken; Du wirſt mir ſagen, ich wiſſe nicht, was ich wolle; ich ſei ohne Charakter, veränderlich und launenhaft; was willſt Du? ich ergebe mich; Du weißt, ich bin keine Madame Raymond..
Ich habe jedoch, das ſchwöre ich Dir, nicht ohne Kampf, nicht ohne viele Thränen zu vergießen, nach⸗


