Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 1.-4. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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lichen Charakter, den wir bei ihm vorausſetzen, oder er hat ihn nicht.“

„Und.. wenn er ihn nicht hat?“

„Wenn er ihn nicht hat, ſo wird er falſch und heuchleriſch genug geweſen ſein, um zehn bis zwölf der ehrenwertheſten Perſonen zu betrügen, die ihn ſeit Jah⸗ zn kennen und die beſte Auskunft über ihn gegeben

aben.“ g

„Nun denn! Mama, beurtheilen Sie, welches Un⸗ glück es für mich wäre, einen Mann zu heirathen, der durc ſeine Falſchheit alle dieſe Perſonen hintergangen

ätte.“

„Iſt er falſch genug hiezu geweſen, ſo frage ich Dich, ob er Dich nicht hundertmal leichter täuſchen würde, Dich mit Deinem achtzehn Jahren, da er ſo viele getäuſcht hätte... Du armes Kind, das Du iſt!“

„Vielleicht würde er mich nicht täuſchen! Mehr als irgend Jemand dabei intereſſirt, die Wahrheit zu er⸗ fahren, wäre ich ohne Zweifel hellſehender.“

„Mein Gott! Albine, wie unvernünftig und hals⸗ ſtarrig biſt Du, wenn Du anfigg Ueberlege doch, was Du ſagſt. Den Charakter vön Jemand kennen... Ei! mein liebes Kind, oft iſt das ganze Leben nicht hiezu hinreichend. Und dann ſind das Worte; biſt Du einmal mit Herrn Fernand verheirathet, ſo wirſt Du ganz nach Deinem Wohlgefallen. ſeinen Charakter ſtudiren.“

„Es wird dann Zeit ſein.“

„Wahrhaftig, Albine, ich begreife nicht, daß Du in Deinem Alter ſo klägliche Raiſonnements machſt. Wozu nützt denn die Erziehung, die man Dir gegeben hat? Ich bin zuweilen geneigt, zu glauben, diejenigen⸗ welche behaupten, Dein Geiſt ſei nicht mehr entwickelt, als der eines Kindes von fünf Jahren, haben Recht.“

„Ich habe nie für geiſtreich gelten wollen.“

„Ich verlange nicht von Dir, daß Du geiſtreich