50
S zeigte, ſo antwortete ich mit einer Eroberers⸗ miene:
„Es gibt einen Stand, welchen ich anbete und für den ich mich geboren fühle,.. das iſt der Militär⸗ ſtand. Er hat ſeine Gefahren. Doch er iſt ruhm⸗ würdig.“
„Das iſt ein trauriges und unfruchtbares Hand⸗ werk, Herr Fernand,“ erwiederte Madame Raymond den Kopf ſchüttelnd;„es gibt keine ſchlimmere Knecht⸗ ſchaft, als die militäriſche; wenn ſie die erhabenen Seelen nicht entartet, ſo betrübt ſie dieſelben auf das Tiefſte.“
Sehr enttäuſcht durch dieſe Antwort, entgegnete ich indeſſen: 7
„Und Koſaken tödten, Madame!“
„Man braucht hiezu nicht Militär zu ſein, Herr Fernand. Im letzten franzöſiſchen Feldzug waren es die Bauern in Blouſen und Holzſchuhen, die den hef⸗ tigſten Krieg gegen die Koſaken und Preußen führten, und vor zwanzig Jahren, die Freiwilligen der Republik, welche barfüßig, kaum gekleidet, mit Aexten, Spießen, ſchlechten Flinten bewaffnet an die Grenze liefen, waren das Militäre? Nein, nein, und dennoch haben ſie die fremden Heere aus Frankreich verjagt.“
Während Madame Raymond ſo ſprach, färbte ſich ihr ſonſt bleiches Geſicht mit einer lebhaften Röthe, ihre ſanfte Stimme klang immer kräftiger, ihre Augen belebten ſich, und ſie wandte ihren Kopf gegen das Por⸗ trait, deſſen ich erwähnt, und heftete ein paar Secunden ihre Blicke mit einem Ausdruck männlichen Stolzes 2 ufz ſie kam mir ſo erhaben vor. Jean hatte w ſeine Mutter den Kopf nach dem Portrait umgewan und ſchien es in einer ſtillen Begeiſterung zu betrachten.
Ich zweifelte nicht, der Vater von Jean ſei einer von den heldenmüthigen Freiwilligen geweſen, von denen Madame Rahymond geſprochen hatte; einer von ihr Anführern, vielleicht, in dem heiligen Kriege des Va


