Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 1.-4. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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reichen Mitleids.„Nein, Dein ſauftes, zartes Gemüth kann.. ſoll die Rache nicht begreifen...“

„Nein,“ fügte ich mit dem heftigſten Ausdruck bei, „man muß die Rache energiſchen Charakteren überlaſ⸗ ſen, mein armer Hyaeinthe!“

Sehr vorgerückt für ſein Alter, war Jean Ray⸗ mond, wie man ſieht, mit einem Charakter von unge⸗ wöhnlicher Stärke ausgerüſtet. Die Unbeugſamkeit ſeiner Grundſätze, die Exaltation ſeiner Anſichten of⸗ fenbarten andere Einflüſſe, andere Beiſpiele, andere Lehren, als die unſerer Erziehung im Collége. Oft hatte Brutus mit Rührung von ſeiner Mutter mit mir geſprochen; unter dieſen Ergüſſen konnte ich be⸗ ſonders die in dieſer ſcheinbar ſo rauhen Seele ent⸗ haltenen Schätze an Empfänglichkeit und Zartgefühl würdigen. Was ſeinen Vater betrifft, ſo hatte mir Jean ein einziges Mal geſagt:

„Mein Vater iſt todt.“

Und der Ausdruck ſeiner Züge war plötzlich ſo ſchmerzlich, ſo wild geworden, daß ich es nie wagte, auf dieſen Gegenſtand zurückzukommen. Jean hatte mit mir auch von ſeinem Oheim(dem Bruder ſeiner Mutter) geſprochen, den er zwei oder dreimal in ſeiner Kindheit und nur bei Nacht geſehen zu haben ſich er⸗ innerte.„Dieſer Oheim wohnte in einem fremden Lande,“ hatte Jean verlegen beigefügt. Ich glaubte, es ſei ein Geheimniß mit der Exiſtenz dieſes Ver⸗ wandten verknüpft, und ſeitdem ſagte ich aus Beſchei⸗ denheit nicht ein Wort mehr hierüber zu meinem Freunde.

Als Raymond an einem Sonntag Abend von Hauſe zurückkam, ſprach er mit einer ganz freudigen Miene zu mir:

„Fernand, meine Mutter wünſcht Dich zu ſehen.“ „Wahrhaftig!“