IV.
Ein charakteriſtiſcher Umſtand wird Jean Raymond vollends ſchildern.
Es war im Jahre 1815(nach der zweiten Reſtau⸗ ration) bei einem der Spaziergänge der Zöglinge un⸗ ſeres Collége auf den Boulevards. Die Kirche der Madeleine was damals im Bau begriffen; ihre weite Umfriedigung enthielt einen Bivonae von fremden Truppen; der Lehrer, der unſere Promenade leitete, willigte auf unſere Bitte ein, uns den Bivouac, wo, wenn ich mich recht erinnere, ruſſiſche Küraſſtere und regelmäßige Koſaken gelagert waren, näher anſchauen zu laſſen.
Ich ging in meiner Reihe neben Jean Raymond, Hyacinthe ſchritt uns voran; wir kommen auf eine Art von Plattform, welche heute der Kirche als Säu⸗ lengang dient, damals aber, da die Stufen noch nicht gelegt waren, erhob ſich dieſe Plattform ſenkrecht, zwölf bis fünfzehn Fuß über dem Boden; Jean Raymond hatte ſeine Reihe verlaſſen, um oben von dieſer Platt⸗ form herabzuſchauen; plötzlich ſah ich, wie er ſich bückte, mit beiden Händen einen großen Stein ergriff, ihn wie zielend fallen ließ und dann unbeweglich und mit ge⸗ kreuzten Armen an ſeinem Platze blieb. Als der Stein geſchleudert war, hörten wir bald Schreie des Schmer⸗ zes und des Zorns; ich näherte mich Jean raſch mit Hyacinthe, und wir erblickten unten an der Erhöhung, auf der wir uns befanden, einen Koſaken in rother Jacke; er war auf beide Kniee gefallen, ſtöhnte ſchmerz⸗ lich und rieb ſich die Schulter; andere ruſſiſche Reiter ſchrieen aus vollem Halſe und wieſen ihre Säbel Jean Rahmond, der immer unempfindlich oben auf der Platt⸗ form ſtand.
Nach einigen Augenblicken lief unſer Profeſſor herbei, packte Jean beim Arm und rief ganz beſtürzt:


