16 als Spielzeug für einen großen Trupp ſchwatzhafter, luſtiger, ſpöttiſcher Vögel, welche wie er in einem Vo⸗ gelhauſe gefangen gehalten wurden.
„Erſchien der Zaunkönig, ſo fielen ſogleich Elſtern, Goldammern, Amſeln, Finken über ihn her, verfolgten und pickten ihn mit den Schnäbeln, mehr aus Muth⸗ willen als aus Bosheit. Da der Zaunfönig nie zu ſchreien wagte, ſo glaubten ihm die großen Vögel viel⸗ leicht nicht wehe zu thun; und dann hatte dieſer Schwächliche ſo kleine Federn, daß er es kaum fühlen mußte, wenn man ſie ihm ausrupfte... dachten ohne Zweifel auch die großen Vögel.
„Der Zaunkönig hatte Geduld, hoffte auf den guten
Gott und ſagte zu ſich: Gut, wie er iſt, hat er die Zaunkönige nicht ge⸗ ſchaffen, um zitternd und verborgen in einem Winkel zu bleiben, bei Strafe, wenn ſie herausgehen, lebendig gerupft zu werden!
„„So klein er iſt, ſo würde der Zaunkönig doch gern wie die großen Vögel unter den Blättern flattern, ſich im Thau baden, munter zwitſchern, wenn die Sonne glänzt; früher oder ſpäter werden auch die muthwilligen Vögel, die mich plagen, während ihr Herz nicht böſe iſt, zu ſich ſagen: es muß ſehr traurig ſein, das Leben dieſes armen kleinen Zaunkönigs; das iſt peinlich an⸗ zuſchauen... Beluſtigen wir uns mit etwas An⸗ derem.““
„Die großen Vögel waren ohne Zweifel nahe daran, dies zu denken, als eines Tages ein Falke, ein kühner und edler Vogel, der auch im Vogelhauſe wohnte, für den Zaunkönig Partei nahm, ihn mit ſeinem Flügel be⸗ bedeckte, mit ſeinem Schnabel vertheidigte, und da er einen ſtarken Flügel und einen harten Schnabel hatte, ſo war der Zaunkönig von ſeinen Qualen befreit.
„Ein Falke einen Zaunkönig befreien! Warum, wenn nicht, um ihn zu freſſen?


