den alle Welt liebt? Welches Bedürfniß kannſt Du nach einem Freunde meiner Art haben?“
„Sprich.. ſteht Dir das an?“
„Ich weiß nicht,“ ſagte er zögernd, da er die Sache immer unwahrſcheinlich fand,„das dünft mir ſo außer⸗ ordentlich.“„
„Nun denn! mein armer Hyaeinthe, nimm Dir die Zeit, Dich an dieſen Gedanken zu gewöhnen; ich werde mittlerweile immerhin als Freund handeln“
Ich hielt Wort, Hhaeinthe war endlich überzengt von meiner Freundſchaft für ihn; er ſuchte von da an alle Arten von jinnreichen und zarten Mitteln, um mir ſeine Anhänglichkeit und ſeine Dankbarkeit zu be⸗ weiſen. Unter mehreren erinnere ich mich folgender Thatſache, ſie iſt bezeichnend:
Hyacinthe Durand galt, wie geſagt, für einen er⸗ bärmlichen Schüler. Man warf ihm, unter anderen Beſchwerden, ſeine abſcheuliche Handſchrift vor; ein Vorwurf, der mir, ich geſtehe es trotz meiner Freun⸗ vesparteilichkeit, gegründet ſchien. Ich fühlte ziemlich viel Neigung für das Zeichnen in mir. Meine Groß⸗ mutter gab mir Alles im Ueberfluß, ich bediente mich ſogar für meine Studien eines herrlichen Velinpa⸗ piers, das ich ſchleuderte, wie man zu ſagen pflegt, indem ich ein ganzes Blatt anwandte, wenn mir ein Viertel genügt hätte. Eines Tages fand ich in meinem Pulte ein Gevierte von dieſem wie Pappendeckel dicken Papier, auf welches, mitten in einer zierlichen Ein⸗ faſſung mit rother und ſchwarzer Tinte, mit einer wun⸗ derbar regelmäßigen Handſchrift folgende Fabel, die ich immer aufbewahrt habe, geſchrieben war:
Der Baunkänig und der Falke.
„Ein armer Zaunkönig ohne Vater und Mutter, klein und ſchwach wie ein wahrer Zaunkönig, diente


