ſchaften des Geiſtes und eine für ſein Alter merkwür⸗ dige Erhabenheit der Gedanken zeigte.
Dieſer arme Junge, ohne Familie, ohne Freunde, immer geſchmäht, immer geſchlagen, immer weinend, und von einer ſolchen Sanftmuth, daß er, ſtatt ſich über die Plackereien, deren Opfer er war, zu beklagen, ſie eher verbarg; dieſer arme Junge erregte mein Mit⸗ leid. Ich zählte damals fünfzehn und ein halbes Jahr, war groß und ſtark für mein Alter. Ich übernahm die Vertheidigung von Hyacinthe, und fortan war ſeine Ruhe geſichert. Sehr erſtaunt über eine Beſchützung, deren Motive er nicht begriff, ſuchte mein neuer Freund dieſe in einer Vorausſetzung, die mich ſchmerzte; häufig nahm im Collége ein Stärkerer einen Schwächeren in ſeinen Schutz, unter der Bedingung für den Schützling, Befehle alſo ausgeſprochen:„Sklave.. hole mir meine Bücher Sklave, ſchneide mir eine Feder u. ſ. w. mit leidendem Gehorſam zu vollziehen.
Hyacinthe ſagte mir mit ſeiner ſanften, furchtſa⸗ men Stimme:
„Fernand, ſeit zwei Tagen plagt man mich in Folge Deines Beiſtandes nicht mehr; Du haſt mich ohne Zweifel gegen unſere Kameraden vertheidigt, damit ich Dein Sklave ſei? Es iſt mir recht, ich will das lieber, als Jedermann zum Spielzeng dienen. Sei nicht zu hart gegen mich; verlange nur das Mögliche von mir... ich werde Dich zu befriedigen ſuchen.“
„Hyacinthe,“ antwortete ich,„ich habe Dich ver⸗ theivigt, weil es mich geärgert, Jedermann ſich an Dir,
der Du wehrlos biſt, vergreifen zu ſehen. Für meinen Schutz verlange ich nur Deine Freundſchaft von Dir.“ „Meine Freundſchaft,“ erwiederte er erſtaunt,„die Freundſchaft von mir! und warum? „Eiſ.. um einen Freund zu haben. ohne Zweifel..
„Du! Fernand! Du, dem Jeder Ehre anthut? Du,
der Du ſo glücklich, ſo reich biſt, wie man ſagt? Du


