Menſchen ſchlägt und darin zurückläßt; ſie macht ihn aut oder böſe, ſchwach oder ſtark vor ſeinen Leiden⸗
ſchaften.
II.
Ich wurde in das Collége von Sainte⸗Barbe von meiner Großmutter geſchickt, obſchon es ſie viel Ueberwindung koſtete, denn ſie verzog mich in der gan⸗ zen Bedeutung des Wortes.
Ich hatte dort zwei Freunde, deren Exiſtenz enge mit der meinigen verbunden geweſen iſt. Ich werde von ihnen mit einigen Einzelnheiten ſprechen.
Der Eine von dieſen Freunden, ungefähr von mei— nem Alter, hieß Hyacinthe Durand; kränklich und lei⸗ dend, wie er war, machte ihn ſeine Schwäche furcht— ſam. Bei meinem Eintritt in das Collége diente er als Spielzeug, beinahe als Märtyrer für unſere Kamera⸗ den. Er weinte immer, wenn man ihn ſchlug, ver⸗ theidigte ſich nie und hieß Hyacinthe lein ſonder⸗ barer Name für einen Mann); man nannte ihn auch gewöhnlich Mademviſelle. Sein, wenn nicht ange⸗ nehmes, doch höchſt ſanftes und ſchwermüthiges Geſicht⸗ chen, die außerordentliche Zartheit ſeiner Gefühle, ſeine tiefe Empfindſamkeit waren in der That ganz weiblich.
Wie ich, war er Waiſe, doch er hatte nicht, wie ich, die gutherzigſte, die⸗liebevollſte der Großmütter. Sah er einen von unſeren Kameraden frendig und voll Eifer weglaufen auf den Ruf:
„So und ſo, Ihr Vater iſt da... So und ſo, Ihre Mutter erwartet Sie,“ ſo ſeufzte Hyacinthe mit einer ſchmerzlichen Miene; nie beſuchte ihn Jemand. Eines Tags, nach einem der we⸗ nigſtens wöchentlichen Beſuche meiner Großmutter, fuhrte


