Elend verfallene Menſchen, deren Freuden leider eben⸗ ſo erbärmlich ſind, als ihre Eriſtenz.
„Iſt es nicht ebenſo klar, daß die Erſten gerade durch die Gewalt der Dinge über den Zweiten ſtehen werden?
„Von dieſer Wahrheit muß man wohl durchdrun⸗ gen ſein, um nicht zu vergeſſen, daß wir, je mehr die Leute von uns abhängen oder unter uns ſtehen, deſto mehr darauf bedacht ſein müſſen, ihnen zu gefallen, ihnen zart, an⸗ genehm zu ſein, um zu machen, daß ſie uns anbeten. Arme Leute! ſie ſind ſo erfreut über dieſes rührende Benehmen, gerade weil es von Jemand kommt, unter dem ſie ſtehen.
„Ebenſo, wenn Ihr mächtige Freunde habt, hütet Euch, je etwas von ihnen zu verlangen; ſie wären zu ärgerlich, Eure Zuneigung für intereſſirt zu halten. Dieſe Discretion iſt der Lurus der Freund⸗ ſchaft. 3.
„Man muß nachſichtig gegen die Andern ſein, um das Recht zu haben, es außerordentlich gegen ſich ſelbſt zu ſein.
„Man muß immer das Böſe verzeihen, das man uns anthut, und ſich ſagen: Wer weiß, ob ich in einer ähnlichen Lage nicht ebenſo gehandelt hätte?
„Wir wiſſen nicht, woher wirkommen„wohin wir gehen und warum wir find.
„Es gibt keine ſichere Moral; um ſich hievon zu überzeugen, braucht man nur die Moraliſten zu leſen und die ſchönen Reſultate zu ſehen, die ſie erlangt haben, ſeitdem die Welt Welt iſt.
„Nehmen wir alſo ganz einfach als Verhaltungs⸗ regel an, was in der Mitte, wo wir leben, geſch ieht oder nicht geſchieht.
„Vor Allem, ſeien wir liebenswürdig und ange⸗ nehm, hegen wir, wenn es möglich iſt, das Bewußt⸗ ſein, das Böſe nie eigenwillig gethan zu haben. Wir werden heiterer ſterben.


