Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 1.-4. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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ſonders wenn einem Mädchen kein anderes Vergnügen zu Theil werde.

Man muß geſtehen, der Anblick dieſer Unglücks⸗ fälle, die ſich ihr oft unter den Zügen einer jungen und hübſchen Griſette boten, war Frau von Franche⸗ ville durchaus nicht zuwider; ſie trug die Koſten für das Wickelzeug, für das Wochenbett, nahm das Kind als Täufling an(ohne eine der Pflichten von dieſer Vormundſchaſt zu vernachläſſigen), ſuchte den Verführer zu bewegen, ſeinen Fehler wieder gut zu machen, und im entgegengeſetzten Falle ſagte meine Großmutter, als getrene Schülerin von Epicur, Voltaire und Ninon, zu dem armen Opſfer:

Ein andermal, meine Kleine, triff wenigſtens eine minder gefährdende Wahl.

Die, übrigens bei ſolchen Ermahnungen conſequente, Moral meiner Großmutter faßte ſich in einigen gewiſ⸗ ſenhaft von ihr in Ansübung gebrachten Lehren zuſam⸗ men; ich habe ſie geſchrieben von ihrer Hand an einem ihrer Philoſophietage aufbewahrt:

Dieſe Lehren ſind: 5 Sich ſo viel und ſo lange als möglich beluſti⸗

gen, ohne Anderen ein Leid zu verurſachen.

Unſere Freunde lieben, ſo lange ſie uns lieben.

Sind ſie undankbar, weit entfernt, Schmerz zu empfinden oder Haß gegen ſie zu hegen, ſie vergeſſen, und beſonders ſehr ſchnell Andere lieben.

(NB. Dies läßt ſich auch anwenden bei den Män⸗ nern gegen ihre Geliebtinnen, bei den Frauen gegen ihre Liebhaber.)

Nie ein ernſtes Opfer von irgend Jemand fordern oder erwarten, einzig und allein, um keine Täuſchung zu erfahren, und beſonders, um nicht genöthigt zu ſein, ſich gleichfalls zu opfern.

Mit andern Worten: In den Verhältniſſen des Lebens immer nur das verlangen, was man redlich und ſtreng zu erwiedern ſich fähig fühlt.