Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 1.-4. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
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ihr dagegen eine Art von Beengung und Bangigkeit ein, er ſei beſonders, ſagte ſie, traurig zu leſen; oft verſtand ſie ihn ſogar nicht.

Trotz dieſes Mangels an Verſtändniß in Betreff veſſen, was bei Rouſſeau Zartes und tief Leutſeliges war, beſaß meine Großmutter ein vortreffliches Herz; aber ſie ſchenkte mit mehr Freigebigkeit, als Scharf⸗ ſinn; der Anblick eines Armen in Lumpen war ihr moraliſch und phyſiſch unerträglich; ſie unterſtützte edel⸗ müthig das Unglück, das man ihr bezeichnete, unter der Bedingung, das herzzerreißende Schauſpiel des Elends nie vor Augen zu haben und dem zu entgehen, was ſie die Dankbarkeitsſecenen nannte, welche, ſagte ſie, ihr zum Weinen Luſt machten und ihre Beſcheidenheit in Verlegenheit brachten.

Meine Großmutter gab auch nicht minder aus Mit⸗ leid, als aus einer Art von ziemlich ſeltſamem Ehrge⸗ fühle; ſie ſetzte nie den Fuß in eine Kirche, doch ſie hielt darauf, ſich eben ſo Almoſen ſpendend im Namen der Menſchenfreundlichkeit zu zeigen, als es Viele im Namen der Religion find.

Dieſe Art von Antagonismus verperſönlichte ſich beſonders zwiſchen meiner Großmutter und einer ihrer Nachbarinnen im Marais, der Marquiſe von Sireval, einer ſehr frommen, ſehr ſtrengen Frau, deren Almoſen Perſonen von einer vielleicht mehr augenſcheinlichen, als aufrichtigen Devotion vorbehalten waren. Frau von Francheville hatte ſich dagegen, vorzugsweiſe dar⸗ auf bedacht, diejenigen zu unterſtützen, welche Frau von Sireval als gottlos ausſchloß, den Beinamen die Vor⸗ ſehung der Verdammten gegeben; ſie zeigte vor⸗ nehmlich eine eigenthümliche Schwäche für die Mütter⸗ Mädchen, welche immer unbarmherzig aus dem Hotel Sireval zurückgeſtoßen wurden, eine Ausſchließung, über die meine Großmutter die Achſeln zuckte,unter dem Vorwande, mit fünfzehn oder ſechzehn Jahren ſei nichts natürlicher, als einen Liebhaber zu haben, be⸗