„Zum Binden verrückt!“ erwiderte ich.
In dieſem Augenblicke kam die Kammerfrau Jenny's un fragte, ob die gnädige Frau ſich ankleiden laſſen wolle.
„Allerdings!“ erwiderte ſie.
Wie ausgedörrt auch Jenny's Seele ſein mochte, hatte dieſe Erzählung ſie doch etwas ergriffen; ihr Teint hatte ſich belebt, mochte es nun aus Unwillen, mochte es aus Eiferſucht ſein. Sie fand ſich ſehr gut ausſehend und wollte aus den phyſiſchen Vortheilen ihrer Aufregung Nutzen ziehen.— Das war ſo natürlich!
„Wären Sie wohl ſo gut, in mein Sprechzimmer hinüber⸗ zugehen?“ ſagte mir Jenny,„denn ich will mich ankleiden und möchte Sie ſpäter um Arm bitten, mich zu Frau von Arville zu führen.“
„Ich ſtehe Ihnen zu Befehl, gnädige Frau,“ erwiderte ich
und ging nach dem Sprechzimmer hinüber.
Dieſe Erinnerungen an Indien hatten mich trübe geſtimmt, denn jener Abſchnitt meines Lebens iſt einer von denen, die ich am meiſten zu vergeſſen ſtrebe. Ich war traurig, nachdenkend, träumeriſch, als Jenny wiedererſchien, glänzend in Schönheit, Eleganz und Anmuth.
Mir fuhr ein Gedanke durch den Kopf.
„Wie finden Sie mich?“ fragte ſie, indem ſie ſich in dem Spiegel beſah und noch eine Agraffe befeſtigte.
„Zum Entzücken, Jenny!— Nie waren Sie ſchöner.— Dieſe glänzenden Augen,— dieſe roſigen Wangen!“
„Wem verdanke ich das Alles?“ fragte ſie, indem ſie mir i Hand zum Kuſſe reichte.„Danke ich es nicht Ihnen, Ihren
häßlichen Geſchichten, durch die man ſelbſt wider Willen gerührt mied— Aber bin ich auch nicht zu roth?“
„Keineswegs; es kleidet Sie ausgezeichnet; aber da Sie mir das danken, Jenny,— opfern Sie es auch mir.— Sie ſind ſchön, glänzend, geſchmückt;— gehen Sie nicht aus.— Dieſe Erinnerungen haben mich trübe geſtimmt; ich würde mich ſo glücklich fühlen, meinen Abend allein mit Ihnen zubringen zu können.— Jenny, willſt Du?— Ich bitte Dich darum;— ſag' es mir zu!“
„Ei,“ ſagte ſie lachend,„was für eine Thorheit! Wozu ſollte denn das nützen?— Ich habe ſeit langer Zeit nicht ſo gut ausgeſehen, und Sie voleß daß ich das opfern ſoll—
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