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Jenny machte eine Bewegung der Ungeduld.
„Nach dem Bade ging ich dann an Bord meines Schiffes, und Abends kehrte ich zurück. Auf einer Matte liegend, und meinen Huka rauchend, ſah ich dann Daja zu tanzen, oder ſie ſang mir die Lieder ihres Landes, ein Khyour oder ein Giet, indem ſie ihre ſchöne Stimme mit der Peha begleitete, einer Art Guitarre mit drei Saiten.
„Dann wieder erzählte ſie mir Geſchichten aus ihrer Kind⸗ heit, ſprach von ihren Göttern, von ihrem naiven Glauben, ihren ſonderbaren Gebräuchen, eine Unterhaltung voll Intereſſe, die meine Neugier reizte, ohne ſie zu befriedigen.
„Zuweilen gab ſie mir, nach der Sitte des Landes, Räthſel auf, kurz, das arme Mädchen wendete alle ihr möglichen Mit⸗ tel auf, mir die Zeit angenehm zu vertreiben.
„Abends bereitete ſie dann den Reis mit aromatiſchem Waſſer, und heitern Sinnes theilten wir dieſe frugale Mahlzeit.“
„Aber, in der That,“ ſagte Jenny,„das iſt äußerſt rüh⸗ rend, und eines Bernardin von St. Pierre würdig. Das iſt ja ein Hirtengedicht, eine Idylle, welche einen Geßner hätte begeiſtern können.“
„Meine liebe Freundin,“ antwortete ich ihr,„mit achtzehn Jahren lebt man Idyllen, weil man dann ein Weib nicht für ſich, ſondern für ſie liebt, und von Selbſtverläugnung lebt. Man wird dann auch gewöhnlich betrogen, oder iſt ſo unglück⸗ lich wie ein Stein; mit fünfundzwanzig Jahren beginnt man, ſeinen Theil des Glückes zu verlangen; aber mit dreißig Jahren wird man Egoiſt, und liebt lediglich für ſich ſelbſt; wird man dann auch betrogen, ſo hat man doch wenigſtens genoſſen.
„Da nun Daja mich ſehr angenehm unterhielt und die Geſellſchaften in Madras mich tödteten; da die Frauen daſelbſt Allem und Nichts glichen, indem ſie weder Natürlichkeit, noch Reize, noch Originalität beſaßen, und von nichts zu ſprechen verſtanden, als von dem, was ich beſſer wußte, wie ſie; da es leider noch immer Zeit genug iſt, zur Civiliſation zurückzukeh⸗ ren, das heißt, zu den Schnürleibern und einer faden Kokette⸗ rie, fand ich mich ſehr gut in meine Eriſtenz und brachte ſo drei Monate hin, ohne nur einen Augenblick der Langeweile zu 2 und ohne außer Daja irgend eine lebende Seele zu ehen.“
„Das begreife ich vollkommen,“ ſagte Jenny,„aber zum


