Teil eines Werkes 
44. Band, Die Cucaracha : 4. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
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Dann ſprach ſie wieder haſtig, als wollte ſie einer drücken⸗ den Erinnerung entfliehen:

„Wie die Sonne glänzend untergeht! Jeſus! wie ſchöne Wolken mit Purpurſaum! Wie ihre Geſtalt ſchroff und wechſelnd iſt! Eben noch war es ein ſchlanker mauriſcher Thurm, jetzt iſt es eine kleine feurige Kugel, aber wieder wechſeln die Umriſſe und zeigen ſich beſtimmter. Santa Carmen! man möchte be⸗ haupten, es ſei ein menſchliches Geſicht. Ja— die hohe Stirn— und— dieſer Mund— ach nein— doch— Jeſus — die Wolke gleicht ihm!“

Athemlos, auf den Knien liegend, die Hände gefaltet, in einer Art von Extaſe lag ſie vor dem phantaſtiſchen Bilde, das ſich in Dunſt hüllte, allmälig verſchwand, und dann ganz er⸗ loſch. Als ſie nichts mehr ſah, wie einen flammenden Hori⸗ zont, ſprang ſie heftig empor, und ſchwang ſich von ihrem Lager.

„Er— Er— immer Er— Er überall!“ rief ſie mit dem Ausdrucke der Verzweiflung.„Entſetzen! wenn ich mich vor Deinem heiligen Bilde, o Chriſtus, niederwerfe, dann verwi⸗ ſchen ſich Deine göttlichen Züge— und Er iſt es, den ich ſehe! Ex iſt es, den ich anbete!

„Wenn ich ſtumm und verwirrt der Superiorin zuhören will, wenn ſie eine heilige Geſchichte vorlieſt, ach! dann ver⸗ ändert ſich ihre Stimme, und Er iſt es, den ich höre, denn der harmoniſche Klang ſeiner Worte tönt ſtets in meinem Herzen.

„Entſetzen! Wenn ich mich reuig vor Gott niederwerfe, dann iſt Er es wieder— denn meine Liebe iſt das einzige Ver⸗ brechen, deſſen ich mich anklagen kann.“— Sie weinte.

„Ein Verbrechen? Iſt es wohl ein Verbrechen? Ach, meine Mutter, wenn Du nicht todt wäreſt, ſo müßteſt Du jetzt bei mir ſein; ich legte meinen Kopf auf Deine Knie, Du ſpielteſt mit Deiner Hand in meinen noch langen gelockten Haaren, und Du würdeſt mir ſagen, ob es ein Verbrechen iſt, denn ich geſtände Dir Alles.

„Siehſt Du, meine Mutter, man hatte mich verſichert, daß ich im Kloſter glücklich ſein würde, daß ich aber dazu die Welt verlaſſen müßte; ich ſagte ja, denn damals wußte ich noch nicht, daß eines Tages die Welt— Er ſein würde. Und dann hat man mich ſchön gemacht, hat mich wie eine Heilige geſchmückt, hat mich zu einem Feſte geführt,⸗wo ein Stier zwei Chriſten tödtete, wie man mir ſagte, denn ich verbarg mein Geſicht wäh⸗