Teil eines Werkes 
44. Band, Die Cucaracha : 4. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
Einzelbild herunterladen

45

uͤber einem Tiſche von Nußbaumholz, aber es iſt mit Blumen geſchmückt; ein Fenſter mit Eiſengittern, aber es hat die Aus⸗ ſicht auf die grüne Wieſe; ein ſchmales, hartes Lager, aber man träumt darauf.— Offen geſtanden, würdet Ihr mit Euern Mädchen⸗Erfahrungen das Schickſal der Camera Major der Königin aller Spanier beneiden.

Und doch war ein junges Mädchen hier allein; das Cru⸗ zifir, der kleine Tiſch, das Fenſter, das Lager, der Blumenge⸗ ruch, nichts fehlt, und doch ſah ſie weder auf die Wieſe, noch auf den Tanz, noch auf die untergehende Sonne.

Ihre Stirn war in die Hände geſenkt, und Thränen perl⸗ ten zwiſchen den Fingern hindurch.

Endlich erhob ſie den Kopf: es war die Monja, welche dem Stiergeſechte beiwohnte.

Sie funkelte nicht mehr in Seide und Edelſteinen, wie an jenem Tage, wo ſie der Welt Lebewohl ſagte. Nein, ein hä⸗ renes Gewand umſchloß ihren ſchlanken Wuchs, eng anliegend wie ein Leichentuch; ihre üppigen ſchwarzen Haare waren ab⸗ geſchnitten, und verbargen ſich hinter einer Leinwandbinde, welche ſich über ihre offne Stirn hinzog, und auf beiden Seiten über die Wangen herabfiel. Aber wie blaß war ſie! O, mein Gott! Ihre blauen Augen, ſo ſanft und ſo rein, waren von einem leichten ſchwarzen Rande umgeben, und hellblaue Adern wanden ſich durch die roſige Haut.

„Mein Gott! Verzeihung! Verzeihung!“ ſagte ſie, indem ſie auf die Knie niederſank.

Bald darauf erhob ſie ſich wieder mit purpurrothen Wan⸗ gen und entfärbten Lippen. Flieh! gefährliche Erinnerung“ rief ſie aus, indem ſie zum Fenſter ſtürzte.„Ach! Luft! Luft! ich verbrenne. Ach! ich will die Sonne ſehen, und die Bäume und die Berge, und das Feſt und die Tänze! Ja ich will das Feſt ſehen, ich will mich durch das lärmende Schauſpiel zer⸗ ſtreuen. Glücklich ſind ſie. Bravo! junges Mädchen; welche Leichtigkeit! welche Anmuth! wie liebe ich die Farbe Deiner Pasquine! Wie ſchön nimmt ſich die Blume in Deinem blon⸗ den Haar aus! Ach, Du näherſt Dich Deinem Tänzerz er iſt ſchön und ſeine Augen heften ſich auf Dich. Er hatte auch einen ſanften Blick, aber—“ Sie verbarg den Kopf in die Hände und ſchwieg, denn ihr Herz klopfte ſo heftig, daß es die Buſt zu zerſprengen ſchien.