Teil eines Werkes 
44. Band, Die Cucaracha : 4. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
Einzelbild herunterladen

45

Sechſtes Kapitel.

Ach, dies Herz ſtieg lebend in das Grab, Und die Strenge des finſtern Kloſters Bewahrte mich vor ſtrafbarer Reue; Vergebens bade ich mich in bittern Thränen. Delphine Gah, Frau von la Valliere.

Die Monja.

Wahrlich, wär' ich eine Nonne, und hätte ich ein Kloſter zu wählen, ſo müßte es das der heiligen Magdalena ſein. Es iſt ein würdiges Kloſter, traurig und finſter, am Ufer des Meeres gelegen, 7 Stunden von Tarifa. Nördlich iſt der Ozean, der ſeine Mauern peitſcht; ſüdlich ſind die undurch⸗ dringlichen Lagunen, weſtlich himmelhohe Felſen; aber öſtlich— ach, öſtlich iſt eine ſchöne grüne Wieſe, durch die ſich ein Bach ſchlängelt, der tauſend Umwege macht, und in der Sonne glänzt wie ein ſilbernes Band. Die Veilchen und Waldreben ziehen ſich am Ufer hin, und hohe Palmen und blühende Mandel⸗ bäume beſchatten es. In der Mitte der Ebene liegt das nied⸗ liche Dorf Pelleta, mit ſeinem hohen, ſchlanken Glockenthurme, ſeinen weißen Häuſern, ſeinem Gebüſch von Myrthen und Jas⸗ min. Am Horizonte zeigen ſich die braunen Berge von Medina, deren Abhänge mit Eichen- und Olivenbäumen bedeckt ſind.

Ich wiederhole es, wenn ich eine Nonne wäre, würde ich kein anderes Kloſter wählen, als das der heiligen Magdalena.

Und erſt an den Feiertagen! Da tanzt man faſt unter ſeinen Mauern, und man wird mir zugeſtehen, daß eine arme Eingeſchloſſene ein Vergnügen daran finden muß, das berau⸗ ſchende Klappern der Caſtagnetten zu hören, die unter den ge⸗ läufigen Fingern der Andaluſier ertönen, die ruhigen Bewegun⸗ gen des Bolero zu hören, den Majo zu ſehen, der ſeine Maja verfolgt, die ihn flieht und vermeidet, die ſich dann ihm wieder nähert und ihm ihre Schärpe zuwirft, die er innig küßt, um die er einen Arm windet, während er mit dem andern die Elfenbein⸗ caſtagnetten rührt.

Rührt, rührt eure Caſtagnetten, ihr jungen Burſchen, denn die Cachucha tritt an die Stelle des Bolero. Die Cachucha! Ein wahrer andaluſiſcher Tanz, ein Tanz, laͤrmend und belebt, leicht und lieblich. So ſchlinge den liebenden Arm um den Leib Dei⸗