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WMan mußte ſehen, welche Maſſe ſich vor der Kirche drängte. Die jungen Mädchen mit den ſcharlochrothen Miedern und dem weißen Kopfputz; die Matronen mit ihren das Geſicht ver⸗ hüllenden Hauben; die Männer mit ihren ſchwarzen Käppchen, unter denen die Haare hervorquollen, die bis zum Gürtel reich⸗ ten, in welchem ein blitzendes Meſſer ſtak.
Die Menge drängte ſich hin und her und wartete auf das Oeffnen der Kirchthüren.
Bald erſchienen auch Grain⸗de⸗Sel und Meiſter Durand. Bei ihrem Anblicke neigten ſich die Köpfe Aller; ſie aber ant⸗ worteten nur mit einem gnädigen Kopfnicken.
Endlich öffnete ſich die Thür; Alles drängte und ſtieß ſich, lief durcheinander und fand endlich Platz.
Die Sonne ſendete freundlich ihre Strahlen durch die far⸗ bigen Fenſter der Kapelle und ſpielte in tauſend Farben auf der blank polirten Eichenbank, verziert mit ſchwerem Schnitzwerk, auf der an Feiertagen Kernok zu ſitzen pflegte. Ach, wie herr⸗ lich ſah er aus! Mit welcher Würde breitete er ſeinen Hals⸗ kragen und ſeinen kaſtanienfarbigen Rock aus! Mit welcher Geſchicklichkeit wußte er ſein Priemchen den Augen des Pfarrers zu entziehen! Mit welcher Andacht ſchloß er die Augen und that, als bete er inbrünſtig, wenn die Beredtſamkeit des Kanzel⸗ redners ihn in tiefen Schlaf wiegte. Die Erinnerung des ehr⸗ würdigen Geſichtes mußte Grain⸗de⸗Sel und Durand noch ſehr im Andenken ſein, denn ohne Bewegung blieben ſie ſtill auf dem Platze ſtehen.
„Ich glaube ihn noch immer zu ſehen,“ ſagte Meiſter Durand.
„Und ich auch,“ verſicherte Grain⸗de⸗Sel.
Ein dumpfer Lärm verkündete die Ankunft des Karadeuc, des Vicars der Gemeinde.
Es begann der Gottesdienſt.
Nach demſelben beſtieg Herr Karadeuc die Kanzel.
Die Gläubigen benutzten dieſen Augenblick zum Huſten, Schnauben, Seufzen, Gähnen und ſich um und wieder um⸗ zudrehen.
Dann ſchwieg Alles— Todtenſtille.
Der Redner trat an den Rand ſeiner Tribune und ſpreizte die langen Knochenhände darauf aus. Seine Augen funkelten
Die Cucaracha. III. 10


