Teil eines Werkes 
43. Band, Die Cucaracha : 3. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
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nen Liqueur ausnippt; nicht jene ſybaritiſche Luſt, welche nur von Blumen, Wohlgerüchen und Edelſteinen, jungen, lebensluſtigen Frauen, wohltönender Muſik und auserleſenen Weinen wiſſen will! Nein, sacrebleu! ſondern die derbe, vierſchrötige Freude mit Satyraugen, Dämonsgelächter, welche in den Tabernen ihren Sitz hat, trinkt und ſich berauſcht, beißt und zerreißt, ſchlägt und tödtet, dann zwiſchen den Trümmern einer großen Mahlzeit ſich umherwälzt und in ein Gelächter ausbricht, ſo wild und mißtönend, daß es dem Geheul des Schakals gleicht.

Aufl genießet des Lebens; denn es iſt kurz, ſage ich Euch. Und man genoß daher auch des Lebens am Bord des Sperbers.

Die Nacht brach an; die Schiffslaternen verbreiteten ein helles Licht über das Deck des Fahrzeuges, welches Kernok mit Tafeln hatte beſetzen laſſen, um die glückliche Priſe zu feiern; auf die Mahlzeit folgten Zerſtreuungen. Der Schiffsjunge Grain⸗de⸗Sel beſtrich ſich vom Kopf bis zu den Füßen mit Theer und wälzte ſich dann in einem Federſack, ſo daß er einem Vogel ohne Federn glich; welch eine Luſt, ihn umhertanzen, ſingen, ſpringen und wirbeln zu ſehen, ermuthigt durch das Beifalljauchzen der Equipage, und aufgeregt durch die Tauhiebe, welche Meiſter Zeli von Zeit zu Zeit ihm zukommen ließ, um ſeine Gelenkigkeit wach zu erhalten.

Aber ein luſtiger Kautz, ein Deutſcher war es, glaub' ich, wollte das Feſt vollkommen machen und näherte die Flamme einer brennenden Fackel der großen Feder, welche ſich anmuthig über Grain⸗de⸗Sel's Stirn neigte. Das Feuer theilte ſich von der Feder den Haaren, von den Haaren der übrigen Federfülle mit, und der unglückliche Grain⸗de⸗Sel ſtand bald ganz in Flammen.

Anfangs lachte man bis zu Thränen am Bord des Sper⸗ bers; da aber der Schiffsjunge entſetzliches Geheul ausſtieß, fand ſich eine gute mitleidige Seele, wie es deren überall giebt, packte ihn, warf ihn in's Meer, und rief:„Ich will ihn löſchen.“

Zum Glück ſchwamm Grain⸗de⸗Sel wie ein Fiſch; er fand ſelbſt Gefallen daran, ſein Bad zu verlängern, das ihn ſehr erfriſchte; ſchwamm einige Male wie ein Triton oder eine Najade um das Schiff, kletterte durch eine Stückpforte wieder an Bord und ſagte dann mit ſeinem gewöhnlichen Stoicismus:„Das iſt mir doch lieber, als lebendig verbrannt zu werden, und überdies habe ich mich noch köſtlich unterhalten.“

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