Teil eines Werkes 
43. Band, Die Cucaracha : 3. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
Einzelbild herunterladen

107

Die Brigg, welch nicht mehr auf dem Anker ruhte, folgte ſogleich dem Eindrucke des Windes und ging Steuerbord.

„Mach's Segel los! Wind gefaßt! braſſt Backbord, ſorrt die Marsſegel!“ rief Kernok weiter.

Die Brigg begann unter dem Einfluſſe des Windes zu ſegeln; die großen grauen Segel ſchwollen allmälig an, und der Wind pfiff durch die Takelage; ſchon verſchwanden Pempoul, die Küſten von Saint⸗Anne⸗Ros⸗Iſtan allmälig immer mehr und mehr den Augen der Matroſen, welche auf den Segelſtangen ſaßen, den Blick nach dem Lande gerichtet, als wollten ſie einen langen Abſchied von Frankreich nehmen.

„Steuer Backbord, Steuer Backbord!“ rief plötzlich Zeli voll Entſetzen.

Sogleich drehte ſich das Rad des Steuerruders ſchnell,

und der Sperber neigte ſich.

„Was giebt's?“ fragte Kernok, als das Manövre voll⸗

zogen war.

„Lescoöt kömmt, Capitain,“ erwiderte Zeli;„das Boot, auf dem er ſich befindet, wäre wie eine Nußſchale in Grund gebohrt worden, hätte ich es nicht Steuerbord genommen.“

Der Nachzügler, welcher leicht an Bord geſprungen war, trat verlegen vor Kernok.

„Weshalb bleibſt Du ſo lange?“ fragte der Capitain.

„Meine alte Mutter iſt geſtorben; ich wollte bis zum letz⸗ ten Augenblicke bleiben, um ihr die Augen zu ſchließen.“

„So!“ ſagte Kernok, wendete ſich dann zu dem Lieutenant und gebot:„Bringt die Rechnung dieſes guten Sohnes in Ordnung.“

Der Lieutenant flüſterte Zeli zwei Worte in das Ohr, und dieſer führte Lescoöt an den Vordertheil der Brigg.

„Mein Junge,“ ſagte er hier, indem er ein langes Tau ſchwang,„wir haben ein Hühnchen miteinander zu pflücken.“

„Ich verſtehe,“ ſagte Lescoét erbleichend,„und wie viel?“

„Eine Lumperei.“

„Und? Man will doch gerne wiſſen—“

„Du wirſt es ſehen. Man thut Dir kein Unrecht. Ue⸗ brigens kannſt Du zählen.“

„Ich werde mich rächen.“

„So ſagt man ſtets vorher, und hinterher denkt man wei⸗ ter nicht daran, als an den Wind des vorigen Morgens. Vor⸗