Teil eines Werkes 
42. Band, Die Cucaracha : 2. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
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ihre Tochter!— Dann wurden die Wittwe, ihre Tochter und ihr Sohn wie gemeine Zigeuner aus Kardiki verjagt und ſo kehrten ſie nach Debelen zurück.“

Bei dieſer entſetzlichen Erinnerung färbte ein erhabener In⸗ ſtinkt der Keuſchheit und Scham das blaſſe entſtellte Geſicht Khamco's einen Augenblick mit kaum merklicher Röthe.— Dann wurde ſie immer ſchwächer und ſchwächer, und mit erſterbender, ſchon gebrochener Stimme ſagte ſie:

„O, die arme Mutter— die beklagenswerthe Mutter— wer vermag es je, ihre Scham, ihre Marter, ihre Wuth zu er⸗ meſſen— ſie, die bisher ſo ſtolz geweſen war— auf ſich und auf ihre Tochter— weil ſie die Mutter und die Schweſter Ali's waren?— O, wie hat ſie jeden Tag, jede Stunde ihren Haß in ſich hineingeſchlungen und ihre ohnmächtige Wuth ver⸗ wünſcht— ihre Wuth, welche das Blut der Radja's, die ſie der großen Stimme opferte, nicht zu erſticken vermochte.— Da fiel der Schnee auf die Haare Khamco's, und ſie fühlte all⸗ mälig ihr Herz erkalten— und dann wollte ſie ihre Kinder noch einmal ſehen— und dann iſt ſie geſtorben.— Sie iſt ge⸗ ſtorben!— Und jetzt, da Khamco todt iſt, wer wird ſie an den Kardikioten rächen?— Du wirſt es ſein, mein Sohn, Ali von Debelen!“

So ſchrie Khamco mit donnernder Stimme, indem ſie zum Bewußtſein zurückkehrte und ſich mit einer krampfhaften An⸗ ſtrengung in ihrer ganzen Länge emporrichtete, als wäre dieſer Schimmer der Kraft und Vernunft nach der langen Geiſtes⸗ verwirrung zurückgekehrt, um noch einmal die beiden Gefühle auszuſprechen, welche über ihr ganzes Leben geherrſcht hatten: Mutterliebe und Rachſucht.

Todt ſank ſie auf den Divan zurück.

„Mutter,“ riefen wie aus einem Munde Ali und Chai⸗ nitza, mit einem Ausdrucke, der ſich unmöglich beſchreiben läßt, „Mutter, Du ſollſt gerächt werden.“