Teil eines Werkes 
42. Band, Die Cucaracha : 2. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
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In der That ſchien ſie eine Beute der Verſtandesverwir⸗ rung zu werden, die der Vorläufer des Todes iſt, aber durch ein ſonderbares Phänomen ſpiegelte dieſe letztere Ueberreizung des Todeskampfes in der erlöſchenden Einbildungskraft der Mutter des Weſirs das treue Bild der Vergangenheit wieder: eine mäch⸗ tige Rüͤckwirkung der Gefühle, welche das ganze Leben Khameo's beherrſcht hatten, und welche ihre Gedanken noch einmal zu einer Zeit zurücktrugen, die für ſie zugleich ſo glorreich und ſo entſetzlich geweſen war.—

Mit dem trüben und einförmigen Tone einer albaneſiſchen Myriologie¹), und als ob ſie ihren Geſang über ihrem eigenen Grabe gehalten hätte, ſtieß Khamco mit leiſer, oft durch Klagen unterbrochener Stimme und mit unzuſammenhängenden Worten, wie von finſterm Wahnſinn eingegeben, einen letzten Schrei des Stolzes und der Mutterliebe aus, einen letzten Schrei des Haſſes und der Rache.

Ali und Chainitza wagten dieſe verhängnißvollen Enthül⸗ lungen nicht zu unterbrechen und hörten ihnen mit ſchmerzlicher Hingebung zu.

„Die Wittwe Vely Beys iſt todt.— Todt iſt die Wittwe Vely Beys!— Ein ſchwarzer Geier mit kahlem Kopfe²) hat ſich auf die Cypreſſen ihres weißen Grabes niedergeſetzt; und mit blutigem Schnabel und glühenden Augen ruft er durch den Leichenſtein der Todten zu:

„Iſt Dein Mann durch Gift oder durch einen Zaubertrank geſtorben?“— Und Khamco, die tapfere Tochter des Beys von Conitza, wurde, obgleich todt, noch blaſſer— noch bläſſer unter dem Leichenſteine, und ſie antwortete dem todten Vogel: Cha⸗ ron³) hat Vely Bey in dem rothen Pelze fortgetragen, wie er auch mich fortgetragen und hierher gelegt hat— in die Erde. Vely Bey muß es Charon geſagt haben, ob er durch das Gift oder durch einen Zaubertrank geſtorben iſt; frage Charon dar⸗ nach— ich kann es Dir nicht ſagen, denn hier unter der Erde,

¹) Todtengeſänge, dazu beſtimmt, das Leben der Verſtorbenen zu ſchilbern.

2) Dieſe Fabel von ſprechenden Vögeln findet ſich in den Volksgeſängen des neuen Griechenlands oft wieder.— Von der Höhe der Berge der breifachen Gipfel hat ein Sperber geſprochen(Hochzeitsgeſang, Vauriel)— ein kleiner Vogel aus Faltos ſagt Tag und Nacht: Mein Gott, wo finde ich die Klephthen von Gorgo⸗Thomas(bendaſelbſt)— Volksgeſänge des neuern Griechenlands, Theil 11, p. 355 und 326.— Vauriel.

3) Der Tod;— griechiſcher Aberglaube.