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Als die erſte Aufregung des Wiederſehens vorüber war, nahm Khamco in ihre beiden matten Hände den Kopf Ali's, der zu ihren Füßen kniete, zog ihn bis zu ſich empor und prüfte mit beſorgtem Blicke das ſchöne Geſicht, welches in dieſem Au⸗ genblicke den rührendſten und tieſſten Schmerz ausſprach, und mit ſtrahlender Freude rief ſie dann aus:
„Noch immer der Schönſte, noch immer der Tapferſte unter Allen!“
Als ob ſie von einem entſetzlichen Gedanken ergriffen würde, fügte ſie dann plötzlich wie in wilder Verwirrung hin⸗ zu:„Ich ſterbe— ich ſterbe— und Kardiki liegt noch nicht in Aſche— der letzte der Kardikioten hat noch nicht ſeine verab⸗ ſcheuungswerthe Seele unter den Trümmern der Stadt ausge⸗ haucht.— Sei daher verwünſcht— verwünſcht— Ali von Debelen!“
„Mein Bruder, ſie ſpricht in der Raſerei des Fiebers— Wehe uns, ſie ſtirbt!“— rief Channitza, indem ſie ſich auf die Knie niederwarf, und verzweiflungsvoll die ſchon feuchte und kalte Hand Khamco's mit ihren Küſſen bedeckte.
„Meine Mutter— meine Mutter— ich bin es— Dein Sohn— es iſt Ali— der kommt, um Dich zu rächen!“— Und die Stimme des Weſirs war ſo ſchmerzlich, ſo zärtlich, ſo gerührt, daß ſie eine letzte Saite in dem Herzen der Sterbenden anzuſchlagen ſchien.
Khamco ſetzte ſich in die Höhe und blickte umher, als wollte ſie ihre Gedanken ſammeln; mit einer letzten Anſtren⸗ gung ſagte ſie dann mit anfangs ernſter und ruhiger Stimme, die aber bald den Charakter ſteigender Aufregung annahm:
„Ali, mein Sohn— Du biſt es— ich erkenne Dich— es iſt gut— auch Dich, Chainitza— es iſt gut— mein Geiſt iſt jetzt ruhig— hört dieſe Worte, die letzten, welche meine theuren Kinder von ihrer Mutter vernehmen werden; möge die Kraft mich nicht verlaſſen, ehe ich in dieſer letzten Stunde Alles geſagt habe. Ali— ich muß Dir mittheilen, was meinen Tod verurſacht— was ſeit langer Zeit— ſeit ſehr langer Zeit mein Leben untergraben hat.“
„Du wirſt nicht ſterben, meine Mutter!“ ſagten zugleich Ali und Chainitza.
„Ich werde ſterben, ſterben am frühzeitigen Tode— früh⸗ zeitig wie dieſes Haar, das meinen Kopf vor der Zeit bedeckt.


