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Der Bektadji klopfte leiſe an die Thüre; eines der Weiber Khamco's öffnete ſie, ſchob einen langen Vorhang zur Seite und fragte den Magier, was er wollte.
„Das Kind des Radjas iſt hier,“ ſagte er.„Sollen die
Myſterien von Eblis begonnen werden?“ Die Sklavin kehrte bald mit dem Beſcheide zurück:„Noch nicht!“ und ging dann wieder in das innere Gemach.
Dies war ein geräumiges Zimmer, welches ein längliches
Viereck bildete, und deſſen Mauern gegen die orientaliſche Ge⸗ wohnheit mit Hautelice⸗Tapeten von finſterem Grün bedeckt waren, die Ali von Debelen für ſeine Mutter aus Frankreich hatte kommen laſſen. Ein breiter niedriger Divan, mit Gold
und Scharlach, Brocat aus Lyon überzogen, lief rings um das
ganze Gemach her. Obgleich es heller Tag war, verdeckten
doch dichte Vorhänge das ſchmale und einzige Fenſter, welches
das Zimmer hätte erhellen können, und die Kerzen, die auf ei⸗ nigen Kryſtallleuchtern brannten, verbreiteten allein ein zweifel⸗
haftes Licht. Ein ungeheurer Kamin, deſſen Bekleidung von
ſchwarzem Marmor aus zwe antiken Carituden beſtand, ver⸗ breitete eine bedeutende Wärme im Zimmer, denn der mit rothen Kohlen bedeckte Herd glich der glühenden Eſſe einer Schmiede. Der Weſtwind ſtrich klagend durch die langen äußern Gallerien des Serails und vereinte ſich mit dem rauhen Gebell der Wach⸗ hunde von ungeheurer Größe.
Drei Menſchen befanden ſich in dieſem weiten Gemache: eine alte cypriotiſche Sklavin, welche von Zeit zu Zeit das Feuer anſchürte, Khamco und ihre Tochter Chainitza.
In der Ecke, welche dem Feuer zunächſt war, auf dem Di⸗ van halb liegend, ſaß Khamco in Pelze gehüllt und betrachtete aufmerkſam ihre Tochter, die, ohne Zweifel durch die Nachtwa⸗ chen und die Anſtrengung erſchöpft, eingeſchlafen war. Sie lag dicht zu den Füßen ihrer Mutter, die ſie an ihrer Bruſt hatte erwärmen wollen.
Wechſelsweiſe von der Gluth des Kamins und dem un⸗
ſichern Lichte der Kerzen beſchienen, trugen die Züge Khamco's
einen unbeſchreiblichen Ausdruck des Schmerzes und der Ver⸗ zweiflung.
Die Mutter Ali's von Debelen war 56 Jahre alt. Ehe⸗ dem ſehr ſchön, zeigte ihr Geſicht die grauſamen Spuren eines Alters, welches ohne Zweifel durch ein fürchterliches Unglück


