Teil eines Werkes 
41. Band, Die Cucaracha : 1. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
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nur für den Ausdruck zu reizbaren Gefühles gehalten, das keinen

Ausweg fände; ich begriff vollkommen, daß Sie einige Mühe

haben mußten, ſich an das etwas gemeine Aeußere Ihres Mannes zu gewöhnen; ich nahm daher auch die Schilderung Ihrer fürchterlichen Martern mit Nachſicht auf, glaubte aber in der That, wenn dieſes Ueberbleibſel romanhafter Ge⸗ fühlvollheit verſchwunden ſei, würden Sie zur Vernunft zurück⸗ kehren, zum geſunden Menſchenverſtande, und wenn Ihr höhe⸗ rer Geiſt den Nebel des chimäriſchen Kummers zerſtreut hätte, der Ihnen das wirkliche Glück verbarg, würden Sie zu der Wahrheit gelangen, das heißt, zu der Ueberzeugung: daß Sie die glücklichſte der Frauen ſind.

Statt deſſen ſehe ich, daß dieſe übertriebene Reizbarkeit von Tage zu Tage wächſt; Ihre Klagen verdoppeln ſich, Ihre vorgeblichen Leiden nehmen zu. Ich würde meine Pflicht als Freundin, und zwar als aufrichtige Freundin zu verletzen glauben, mein liebes Kind, wenn ich Ihnen nicht mit Strenge alles Das ſagte, was ich denke, was ich fühle, wenn ich über⸗ lege, daß Sie, im Beſitze aller Elemente zum vollkommenſten Glücke, ſich zuletzt noch für die unglücklichſte der Frauen halten.

In der That, Cecilie, das Alles hat den Anſchein eines gefaßten Entſchluſſes, und wenn ich Sie nicht beſſer kennte, würde ich ſogar ſagen, einer Anforderung; doch nein, bei Ih⸗ nen, meine Freundin, iſt es eine Gewohnheit, denn, noch ein⸗ mal frage ich Sie, was fehlt Ihnen?

Ich bin ſtrenge, grauſam, werden Sie ſagen; nein, meine Freundin, denn ich will weiter nichts, als daß Sie Ihr Glück richtig würdigen lernen ſollen.

Sehen Sie ſich daher wohl vor, denn wenn ich in Ihrem nächſten Briefe wieder ſolche häßliche Klagen ohne Grund und Zweck finde, ſchicke ich ihn an Herrn von Noirville, der Sie dann tüchtig ausſchelten wird, und mit Recht.

Ich hätte beinahe Luſt, Sie nicht zu umarmen, aber ich ſetze ſo viel Vertrauen in Ihren Charakter, daß ich Ihnen auch dies Mal noch in der Hoffnung verzeihe, Sie werden in Zu⸗ kunft vernünftiger ſein.

Baronin Erlmann.