Teil eines Werkes 
41. Band, Die Cucaracha : 1. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
Einzelbild herunterladen

126

ſeine Weiſe auch gut, wie er mir auf ſeine Weiſe ergeben iſt. Ich kann ihn deshalb auch nicht haſſen, und gleichwohl bringt er mich um; er tödtet mich bei langſamem Feuer, es iſt eine langſame, aber entſetzliche Marter, eine abſcheuliche Todesqual, die ich erdulde. Aber er ahnet das nicht einmal, ſieht es lä⸗ chelnd, gelaſſen, zufrieden mit an, innig überzeugt, daß ich alles mögliche Glück genieße.

Und mir ſagen zu müſſen, wenn ich funfzig Jahre zu leben hätte, würde ich auch funfzig Jahre dies Leben führen; wiſſen Sie wohl, daß das gräßlich wäre? Aber beruhigen Sie ſich, meine Freundin, denn ich hege eine Hoffnung..

Und dann iſt das noch nicht Alles; es giebt noch eine andere Marter, die ich täglich ertragen muß, nämlich die, über meinen Mann zu erröthen. Ich mußte deshalb den Um⸗ gang mit einigen Freunden meiner Familie abbrechen, denn hätten Sie ihn geſehen, hätten Sie ihn gehört, als er die Art von Zwanz abgeworfen hatte, den er ſich vor unſerer Verhei⸗ rathung auflegte; es war, um vor Scham zu ſterben.

Und ſelbſt in der Welt, in die er mich eingeführt hat, und die ich weder loben noch tadeln kann, weil ich ſie nicht ver⸗ ſtehe, weil man in ihr nicht dieſelbe Sprache redet, an die ich ſeit meiner Kindheit gewöhnt bin, ſelbſt in dieſer Welt bemerkte ich, daß man ihn verſpottete, für nichts achtete, da ſein Loos jetzt entſchieden iſt und die Familien ihn ſich nicht mehr für ihre Töchter ſtreitig zu machen haben.

Und ich, meine Freundin, ich erſchien in dem Lichte, als wäre ich niedrig genug geweſen, mich dem Vermögen dieſes verſpotteten Menſchen zu verbinden.

Sie aber wiſſen, welche Beſorgniſſe, welchen Widerwillen ich vor dieſer Heirath hegte; ich habe Ihnen meine trüben Ahnungen mitgetheilt. Sie nannten dieſe zwar Chimären, aber ſie werden ſich verwirklichen; Sie ſollen ſehen, ſie werden ſich verwirklichen. Ich theilte Ihnen mit, welchen Kummer meine Weigerung meinem armen Onkel bereitete, wie ſeine Ge⸗ ſundheit ſichtlich abnahm, wie mir dann meine Zuſtimmung beinahe gewaltſam durch einige Freunde meiner Familie ent⸗ riſſen wurde, die, wie ächte Weltkinder, vor allem Andern be⸗ ſonders nur das Eine ſahen, daß ich in eine ſehr glänzende Lage käme. Sie wiſſen, daß ich mich auch durch Sie beſtim⸗ men ließ; ſie ſahen richtiger oder vielmehr kälter, als ich,*