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greifen kann, welche entſetzliche Marter es mit ſo grauſamer Gutmüthigkeit erdulden läßt.
Eine arme Frau aus dem Volke, die ihr Mann roh be⸗ handelt, die er prügelt, kann hoffen, darf doch noch hoffen, daß einſt die Bosheit dieſes Menſchen ein Ziel haben wird, wenn ſie weinend zu ihm ſpricht: Sieh, wie die Wunde blutet, die Du mir verſetzt haſt! Sie,— ich bin ganz zerſchlagen; um des Himmels willen, ſo habe doch Mitleid mit einer unglück⸗ lichen Frau, die nichts kann, als dulden.
Sehen Sie, Clara, wenn dieſer Mann nun nicht ein Un⸗ heuer iſt, ſo wird er Mitleid haben, wird Reue empfinden, oder doch wenigſtens das Bewußtſein des Uebels haben, das er ſeiner Frau zufügt; und für das ergebungsvolle Opfer iſt das beinahe ein Troſt, ſich ſagen zu können: Mein Henker weiß wenigſtens, daß ich leide.
Aber ich, meine Freundin, wie ſoll ich ihm die Bitterkeit der rein moraliſchen Martern begreiflich machen, die ich erdulde, ihm, der nicht einmal eine Ahnung davon hat, daß es morali⸗ ſche Schmerzen giebt?— Wie ſoll ich ihm ſagen, daß ſchon ſeine Gegenwart allein meine Seele furchtbar bedrückt, da er nicht einmal das unwillkührliche Zittern bemerkt, den unaus⸗ ſprechlichen Widerwillen, von dem ich ergriffen werde, wenn er meine Hand faßt oder mich dutzt.
Ja, ich ſchäme mich, es zu geſtehen, dieſes Du, das feier⸗ liche und geheiligte Wort, welches die Ehrfurcht mich ſogar ge⸗ gen meine Mutter auszuſprechen hinderte, und das ſie und mein Vater nur ein Mal gegen mich brauchten,— als ſie mir ſterbend ihren Segen ertheilten;— dieſes Wort, welches mir die grauſamſte und impoſanteſte Erinnerung meines ganzen Lebens zurückruft,— ſpricht dieſer Menſch beſtändig und wegen der gemeinſten Veranlaſſungen gegen mich aus; er ſagt zu mir Du in Gegenwart der Geſellſchaft, die er ſieht,— Du im Beiſein der Dienſtboten.
Ach, Clara, ihn ſo dies erhabene und myſteriöſe Wort profaniren zu hören, welches, von einer geliebten Stimme aus⸗ geſprochen, vielleicht allein hingereicht hätte, mir zu enthüllen, wie viel Leidenſchaft und Glück in einer erwiederten Liebe liegt, wie es mich ſchon belehrt hatte, wie viel Angſt und herzzer⸗ reißende Zärtlichkeit in dem letzten Lebewohl einer angebeteten Mutter liegt,— ach, meine Freundin, dies Wort ſo täglich,


