Teil eines Werkes 
41. Band, Die Cucaracha : 1. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
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V.

Ungefähr ſechs Wochen ſpäter, als dieſer Brief geſchrie⸗ ben wurde, richtete Cecilie den folgenden Brief an die Baronin Clara von Erlman in Dresden.

Noirville, den 20. Juni 18**.

Ich habe lange gezögert, Ihnen zu antworten, Clara, aber meine Geſundheit iſt ſo ſchlecht, ich bin ſo ſchwach, daß ich meines lebhaften Wunſches ungeachtet erſt heute die phyſi⸗ ſche Kraft habe, Ihnen zu ſchreiben; denn an Sie denken thue ich ſehr häufig; auch leſe ich ſehr oft Ihre Briefe, die ſo herz⸗ lich ſind, obgleich etwas hart in Bezug auf das, was Sie meine Thorheiten nennen.

Ja, meine Freundin, ich habe mit einer ſehr trüben Freude nochmals Ihren letzten Brief geleſen, in welchem Sie mich an unſeren Aufenthalt in Neapel erinnern. Das war eine ſchöne Zeit. Welch ein inniges Glück empfand ich, als ich zwiſchen unſeren beiden Familien eine herzliche Freundſchaft entſtehen ſah, mein Vater den erhabenen Charakter Ihrer Mutter erkannte und Ihre Mutter in dem Herzen der meinigen ein Echo für alle ihre hohen, frommen Gedanken fand. Und wie verſtanden wir uns gegenſeitig, ſobald wir uns das erſte Mal geſehen hatten. Ich erinnere mich noch ſehr gut daran; es war nach einem Spaziergange an dem Golf; wir kehrten Alle nach dem Geſandt⸗ ſchaftshotel zurück, da nahm ich Sie mit aufmein Zimmer und zeigte Ihnen alle meine kleinen Schätze: Meine Bücher, meine Muſikalien, meine angefangenen Zeichnungen; aber erinnern Sie ſich wohl noch beſonders an den merkwürdigen Umſtand, Clara, daß auf meinem Tiſche ein Band Lamartines aufge⸗ ſchlagen liegen geblieben war und Sie mir zeigten, daß Sie denſelben Schriftſteller auf Ihrer Promenade mitgenommen hatten? Doch das iſt noch nicht Alles; wie groß war erſt un⸗ ſere Freude, als wir aus dem Zeichen Ihres Buches ſahen, daß Sie, eben ſo wie ich, ſeine Betrachtung über das Gebet zuletzt geleſen hatten. Erinnern Sie ſich noch, wie freudig uns dieſe Entdeckung überraſchte, und welche beglückende Schlüſſe wir daraus für die Zukunft zogen? Denn die Freundſchaft ſcheint ſich eben ſo, wie alle zärtlichen und zarten Gefühle, ge⸗