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Ich bin nun ſeit Anfang April in Noirville, mein lieber Dumont, denn meine Frau wollte Paris noch vor dem Ende des Winters verlaſſen. Ich jage, eſſe und ſchlafe; darin be⸗ ſteht mein Leben, und wie Du ſiehſt, iſt es eben nicht allzu ſchlecht; beſonders iſt mir das lieb, daß ich mich nicht um mein Hausweſen zu bekümmern brauche.
Da meine Frau nicht viel ſpricht, bin ich auf ein Mittel gefallen, unſere Abende angenehmer hinzubringen: Ich habe eine Drehbank in meinen Salon ſchaffen laſſen, und da drehe ich denn, während ſie ihr Engliſch lieſt, oder Gott weiß über was träumt. Ich hätte es gern geſehen, daß ſie mir Muſik machte, um mich in Schlaf zu bringen, aber ſie wollte nicht, und zwar unter dem Vorwande, daß ſie nie muſizire, als wenn ſie allein ſei. Dadurch bin ich denn auf den Verdacht gekom⸗ men, daß ſie die Harfe ſehr ſchlecht ſpielt; ich wollte das bald wiſſen, wenn ich muſikaliſch wäre, aber ich habe nie eine Note lernen können; die Muſik iſt übrigens auch nur eine ſtolze Dummheit, nicht wahr, Dumont?
Abends, wenn es zehn Uhr ſchlägt, gehen wir zu Bett.— Was das betrifft, muß ich Dir noch ſagen, daß meine Frau ſich eingebildet hatte, ihr eigenes Schlafzimmer zu bekommen; aber, nichts davon, Liſette, und wenn ich einmal etwas will, dann bin ich eigenſinnig wie ein Maulthier. So leben wir denn recht bürgerlich, wie man ſagt.— Ach, noch eins; Du weißt doch, daß Du der Pathe meines Erſtgebornen biſt,— wenn ich nämlich einen Erſtgebornen bekomme.
Mein Brief iſt für bloßes Geſchwätz ſehr lang geworden, mein lieber Dumont; komm doch in Deinen Gerichtsferien nach Noirville; bringe dann auch die Gerichtszeitung mit, die Du ſo komiſch vorlieſt, indem Du die Stimmen der Angeklagten und der Richter nachmachſt. Was aber langweilig ſein wird, iſt, daß wir verſchleiern müſſen, wegen meiner Betſchweſter von Frau, denn ich vergaß Dir noch zu ſagen, daß ſie eine Betſchweſter iſt; aber ich überſehe ihr das, weil es wegen der Dienſtboten von guter Wirkung iſt.
Lebe wohl, mein lieber Dumont; ich ſchicke Dir hierbei eine Vollmacht, meine Gelder von*** zu heben; kaufe mir dafür neapolitaniſche Rente, wenn ſie noch fortwährend fällt.
Adolph von Noirville.


